„Sei lieb zu meiner Frau“

Treuloses Quartett

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Hugo Egon Balder und Dorkas Kiefer sind die prominenten Aushängeschilder in René Heinersdorffs Boulevardkomödie.

Frankfurt - Karl hat eigentlich alles, was man(n) zum glücklich sein braucht: Erfolg, eine einflussreichen Job, ein Ferienhaus am Ammersee, eine hübsche Frau – und mehrere Geliebte, deren Handling ihm allmählich über den Kopf zu wachsen droht. Von Maren Cornils

Seine Rendezvous plant der notorisch Untreue gern monatelang im Voraus. Mit Romantik hat das Ergebnis dann freilich wenig zu tun, denn Karl mag das Aufreißen beherrschen, besonders fantasievoll ist er nicht.

So richtig ins Schwitzen kommt der Schwerenöter, als ihn Oscar, einer eher erfolgloser Comic-Zeichner um etwas ganz Ungeheuerliches bittet: seiner Frau, mit der Karl ein Verhältnis hat, wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. Und damit nimmt, wie könnte es in einer echten Boulevard-Komödie anders sein, das Verhängnis seinen Lauf.

Prominent besetzt

„Sei lieb zu meiner Frau“ heißt das Lustspiel, das im Fritz Rémond Theater Premiere hatte. Und Autor René Heinersdorff hat bei dieser Gelegenheit praktischerweise gleich die Rolle von Regisseur und Darsteller mit übernommen.

RTL-Altstar und „Tutti-Frutti“-Moderator Hugo Egon Balder gibt Karl als Mischung aus kultiviertem Lebemann und ausgebufftem Fremdgänger, der Ehefrau Mona (Maike Bollow) nach Strich und Faden betrügt. Seine Gattin verfrachtet er kurzerhand vom Ammersee nach Marrakesch, nur um selber in Istanbul freie Bahn zu haben und Oscars (René Heinersdorff) Auftrag nachzukommen. Schade nur, dass weder seine Geliebte, Sabrina (TV-Schauspielerin Dorkas Kiefer), noch Gattin Mona gewillt sind, sich in das für sie vorgesehene Schema pressen zu lassen und stattdessen ganz selbstbewusst eigene Ziele verfolgen.

Die Beziehungskomödie läuft noch bis zum 14. Oktober in Frankfurt.

Das treuelose Quartett – Mona hat eine Liason mit Oscar, dem „Mann ohne Vergangenheit“ und weiß sich durchaus schadlos zu halten – läuft sich bereits zum Ende des ersten Akts über den Weg. Alle vier haben ausgerechnet ein Istanbuler Hotel gebucht, statt wie vorgegeben in Marrakesch zu urlauben. Und so wird die Stadt am Bosporus zum Schauplatz einer beispiellosen Scharade, in deren Verlauf vor allem Mona und Sabrina ihre Männer und Geliebten alt aussehen lassen.

In dem unterhaltsamen Geschlechterkampf scheinen zwar die Herren der Schöpfung oberflächlich die Fäden zu ziehen, in Wahrheit aber haben sie nicht allzu viel zu melden. Ein augenzwinkernder Seitenhieb auf männliches Imponiergehabe und deshalb mit dem perfekt zwischen schleimig, dreist und hilflos hin und her lavierenden Hugo Egon Balder hervorragend besetzt. Der Beweis, dass gute Komödien nicht immer aus der Feder von Briten stammen müssen.

Quelle: op-online.de

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