Triathlon gegen einen Alligator

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Bunter Abend in Offenbach.

Das bunte Hemd ist Ehrensache, ebenso die schlüpfrigen Sprüche. Doch auch jenseits unverkennbarer Merkmale wie Vollbart, Übergewicht und frecher Schnauze ist sich Jürgen Lippe nach 30 Bühnenjahren treu geblieben. Von Maren Cornils

„Das Beste aus 30 Jahren“ heißt sein Programm konsequenterweise. Und dass der 61-Jährige, der mit Sendungen wie „Donnerlippchen“ und „Geld oder Liebe“ TV-Geschichte schrieb, mit seiner Mischung aus Comedy und Musik noch immer mühelos große Säle wie die Offenbacher Stadthalle füllt, zeigt: Da versteht einer sein Handwerk. Das Volk tobt nach den ersten Minuten, und von der Lippe zeigt sich in Bestform. Guido Westerwelle, Anhänger des Golfsports, Ärzte, Peter Maffay – sie alle bekommen mehrmals ihr Fett weg.

Zimperlich ist von der Lippe nie. Der Berufsmacho verspritzt nicht nur Gift, wenn es um weibliche Kommunikation oder weibliches Einkaufsverhalten geht. Er reißt auch den einen oder anderen Witz über die Schwächen des eigenen Geschlechts, sein Gewicht und den ganz normalen männlichen Größenwahn.

Dazwischen gibt’s Kalauer à la „Sagt eine Kuh zum Polizisten: Mein Mann ist auch Bulle“, schräge Verbalakrobatik („Alligatoren können angeblich schneller laufen als Menschen. Das heißt: Wenn Sie beim Triathlon gegen ein Krokodil antreten, müssen Sie schneller radeln“), einen Exkurs über das 7. Buch Mose und witzige Pantomime-Einlagen, bei den von der Lippe als schwimmender Toupetträger oder Papamobil-Scheibenwischer glänzt. Nicht zu vergessen Musik. Begleitet von Mario Hené (Gitarre) und Iris Wehner (Orgel) bringt der bestens aufgelegte Sprücheklopfer bekannte Lieder aus seiner Karriere sowie etliche Gagklassiker – darunter seine kultige Helge-Schneider-Peter-Maffay-Parodie.

Über Jürgen von der Lippes oft unter der Gürtellinie angesiedelten Humor lässt sich streiten, eins muss man dem Vollbartträger lassen: Er hat sein Publikum im Griff und ist um spontane Einlagen nie verlegen. So ist „Das Beste aus 30 Jahren“ aller professionellen Witzelei und so mancher ollen Kamelle zum Trotz ein durch und durch gelungener Abend, nach dem eins feststeht: Ans Aufhören denkt dieser Unterhalter zum Glück noch lange nicht!

Quelle: op-online.de

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