Triftige Klassiker-Auslese

Frankfurt - Eine unkomplizierte Sache: Zu einem Motiv, dem Thema Ehre, werden Zitate aus den Klassikern, die in dieser Saison auf dem Spielplan stehen, zusammengestellt – und daraus strickt man einen eigenen Theaterabend. Von Stefan Michalzik

Mit so simplen wie triftigen Ideen scheint es das Regieteam des Jugendclubs am Frankfurter Schauspiel zu haben. Eine Kollektion der unterschiedlichsten Schubladen stakt aus dem Gehäuse eines Küchenschranks von der Marke Urgroßmutters Zeiten heraus. Mehr braucht es nicht als Ausstattung zu dem nach Worten aus Lessings „Minna von Barnhelm“ benannten Stück „Lieber Bestie als so ein Mensch“, das die Theaterpädagogin Martina Droste gemeinsam mit dem Koregisseur Thorsten Schlenger und der Bühnenbildnerin Martina Zimgast entwickelt hat.

„Von meiner Familie als nichtsnütziges Glied der menschlichen Gesellschaft“ abgetan sieht sich ein hagerer Kerl, der, sichtlich mit den Nerven fertig, hektisch an der Knopfleiste seines weißen Hemdes herumnestelt. „Die Aufgabe ist es ja nicht, ein anderer, sondern ihr selbst zu sein“: Wiederum Kleistworte sind es, mit denen eine Blondine im zerheulten Jammerton ihm auf dem Fuße folgt. Hernach tritt ein Mädchen in Erscheinung, das durch eine Schublade als sprichwörtlicher Klotz am Bein am Laufen gehindert wird.

Ehre bekanntlich ohne die Gegenwart des Blicks

Und so geht es weiter, in einer zunächst raschen Folge der Auftritte, mit einer boulevardtheaterhaft klappenden Tür. Die Zitate hallen in mehrfacher Wiederkehr wider. Etliche davon lassen sich mittels Lektüre des Programmhefts ihren Autoren zuordnen.

Mag sich ein jeder seinen Reim darauf, seine eigenen Gedanken dazu machen. Die Ehre ist bekanntlich ohne die Gegenwart des Blicks der anderen nicht denkbar. So erscheint logisch, dass sich nach dem zerquälten Einzelnen zunehmend kleine Gruppen und schließlich das ganze – von Kirsten Hoffmann in einheitlich blütenweiße Blusen und Hemden gesteckte – Ensemble zu einer mehr und mehr partiturhaften Sprechaktion formiert – und auch zum schnatternden Haufen.

Das flutscht geschwind durch und ist schnell vorbei, in kaum mehr als einer halben Stunde. Dem Regieduo ist es gelungen, den Charme der Jugendlichen unverstellt in Bahnen zu lenken, auf denen das Wort vom Amateur von dem ihm innewohnenden Ruch der Unzulänglichkeit gelöst wird. Es sind zwar Amateure, die da auf der Frankfurter Bühne stehen. Doch es ist eine professionelle Arbeit, die mit ihnen geleistet worden ist.

Quelle: op-online.de

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