Dinner for One auf die Bühne gebracht

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„Als so wie alszus“ - „alles so wie immer“: Karl Garff als Butler "Schorsche" und Eva-Maria Keller als Miss Sophie.

Ein heikles Unterfangen. Probiert wird’s immer wieder. Wer die auf den Briten Lauri Wylie zurückgehende Humorperle „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“, mit deren 1963 entstandener, seit 1972 regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlter Aufzeichnung Freddie Frinton unsterblich geworden ist, auf die Bühne bringt, wie zum Jahreswechsel im Großen Haus des Frankfurter Schauspiels, muss eins wissen: Von Stefan Michalzik

Dass die Zuschauer die famose Darstellung des 1968 verstorbenen Komikers im Bewusstsein haben, samt der seiner kongenialen Partnerin May Warden.

Eine Kammerspiel-Situation hat Bühnenbildnerin Martina Zimgast mit einem vor den Eisernen Vorhang gesetzten Podium hergestellt. Kennern dürfte aufgefallen sein, dass es ein Leoparden- und kein Tigerfell ist, über dessen Kopf Butler James in 25 Minuten elfmal stolpert, wenn er auf die mit den Gängen der Mahlzeit sowie Alkoholika bestückte Anrichte zugeht und zunehmend -wankt, da er auf Geheiß der schrulligen Miss Sophie deren verstorbene Freunde ersetzen und immer wieder das Glas heben muss.

Johannes Kühn rezitiert eingangs Kurt Tucholskys Gedicht „Ach, ich armer Mann! Was fange ich Silvester an?“, bevor er in den Originaltext des Ansagers der TV-Aufzeichnung wechselt, samt bedeutungsvollen „Ähs“. Sascha Nathan und Heidi Ecks ahmen in Gestalt und Gehabe getreulich Frinton und Warden nach. Alles ist vertraut, angefangen bei seinen grotesk abgespreizten Armen und Fingern. Als Kopie, nicht als Neuinterpretation ist die Anverwandlung ein handwerkliches Meisterstück. Von Regie ist korrekterweise nicht die Rede, für die Einrichtung wird Chefdramaturg Andreas Erdmann genannt.

Noch virtuoser als Nathan konnte es vermutlich nur Frinton. Ecks ist, was Miss Sophie vor allem ist – ganz Dame in einer Imagination des Vergangenen. Im Sinne historisierender Aufführungspraxis handelt es sich um eine Glanzleistung. Ungeachtet des Umstands, das derlei nicht künstlerisch zwingend ist, erfreute sich das Publikum im ausverkauften Haus daran; etliche Male kam es zu Szenenbeifall.

Üblicherweise ist harmlose Unterhaltung einer Boulevardbühne würdig. Silvester ist kein Tag für „Hamlet“. Mehr als ein schlichter Theaterklon dürfte es aber sein...

Quelle: op-online.de

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