Alvin Ailey American Dance Theater

Überschäumende Lebensfreude

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In „Revelations“ verbindet das Ensemble des Alvin Ailey American Dance Theater Modern Dance mit spiritueller Tradition.

Frankfurt - Schwingende blütenweiße Kleider, klassische Hutmode und fröhliche Gesichter – eine Zeitreise in die Südstaaten der USA. Von Sabrina Kristen 

Die aktuelle Darbietung des Alvin Ailey American Dance Theater ist äußerst vielfältig: Von Tänzen zu spiritueller Gospelmusik bis hin zu toughen Hip-Hop-Choreografien. Die international erfolgreichste Tanzkompanie aus den Vereinigten Staaten gastiert noch bis zum morgigen Sonntag in der Alten Oper in Frankfurt. Der Gründer Alvin Ailey, 1931 in Texas geboren, war bereits in seiner Kindheit vom Tanz fasziniert. Rassentrennung macht aber zur damaligen Zeit auch vor Tanzschulen nicht Halt, mit einer Ausnahme: dem Lester Horton Dance Theater, bei dem Ailey eine professionelle Tanzausbildung begann.

1958 trat er mit einer Gruppe farbiger Tänzer zum ersten Mal in New York vor Publikum unter dem Namen Alvin Ailey American Dance Theater auf. Der farbige Tänzer und Choreograf vertrat dabei stets das Credo: „Tanz ist für jedermann. Er kommt aus dem Volk und sollte stets dem Volk zurückgegeben werden. Zwei Jahre nach der Gründung seiner Company schuf er das Stück „Revelations“ (deutsch: Offenbarungen), das schnell zum Klassiker des Modern Dance avancierte und bis heute nicht an seiner Aussagekraft verloren hat.

Die US-Tänzer lassen es bei ihrem Auftritt in der Alten Oper spielerisch einfach aussehen, zwei Kulturen miteinander zu verbinden: zum einen die Dynamik des Modern Dance und zum anderen die afroamerikanische Tradition mit all ihrer Religiosität und überschäumender Lebensfreude. Eine Mischung aus innigem Tanz-Gebet, bewegendem Ritual und ekstatischem Fest. Äußerst sehenswert sind auch die neueren Stücke, wie „Home“, das im Frankfurt seine Deutschlandpremiere erlebte. Dem Hip-Hop-Choreografen Rennie Harris gelang dabei eine packende Darbietung mit inspirierenden Bildern. Die Tänzer erzählen in der 18-minütigen Episode die Geschichte eines Mannes, der mit dem HIV-Virus infiziert ist.

Weitere Vorstellungen des Alvin Ailey American Dance Theater noch heute, Samstag, und morgen, Sonntag, jeweils um 14.30 und 20 Uhr, in der Alten Oper Frankfurt

Mit komplexen Schrittfolgen und einem pulsierenden Soundtrack, bestehend aus einer Mischung aus House und Gospel, zieht die Episode den Zuschauer schnell in den Bann. Die Kompanie stellt in der Geschichte sowohl die Kälte der Isolation als auch die Stärke einer Gemeinschaft eindrucksvoll dar. Die Vermutung liegt nahe, dass die Thematik von „Home“ den Theatergründer nicht kalt gelassen hätte – Alvin Ailey selbst starb im Jahr 1989 an der Immunschwächekrankheit Aids. Neben dem Klassiker „Revelations“ durfte aber ebenso wenig ein weiterer Meilenstein des Modern Dance fehlen: „Grace“. Neben der hinreißenden Choreografie fällt hier besonders die Bekleidung der Tänzer ins Auge: von engelsgleichen Kleidern und Zweiteilern in Weiß bis hin zu Kostümen aus feuerroter Seide – die Mischung der wirbelnden Farbenpracht fasziniert. Vor allem dann, wenn nach packenden Soloauftritten die „Roten“ und „Weißen“ sich zu einer pulsierenden Einheit verbinden.

Quelle: op-online.de

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