Verliebt in ein Phantom

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Brautvater dreht durch: Nur Werbeunternehmer Timothy ( Christopher Krieg ) kann Polly (Tina Landgraf) sehen.

Frankfurt - Wenn Bräute und Mütter am Tag des Ja-Wortes die Nerven verlieren, wundert das niemanden. In Ray Cooneys und John Chapmans Komödie „Und das am Hochzeitsmorgen“ in der Frankfurter Komödie ist es jedoch ausnahmsweise der Brautvater, den es erwischt. Von Maren Cornils

Dass Werber Timothy (Christopher Krieg ) an diesem Tag sein blaues Wunder erlebt, hängt indes nur indirekt mit dem Hochzeitsfest in seinem Hause zusammen. Vielmehr sieht der gestresste Unternehmer nach einem Unfall mit einer Tür das Charleston-Girl Polly (Tina Landgraf) aus seiner jüngsten Kampagne für einen BH-Hersteller.

Dass nur er die Dame wahrnimmt, ist freilich nicht sein einziges Problem, hat der in heftiger Liebe zu Polly entbrannte Hausherr doch obendrein vergessen, dem aus Downunder angereisten Vater des Bräutigams (Manfred Molitorisz) ein ordentliches Hotel zu besorgen, so dass „das alte Beuteltier“ nun im Londoner Rotlichtmilieu unterkommen muss. Ehefrau Jane (Susanne Huber) steht wegen der Eskapaden ihres Göttergatten kurz vor der Trennung, und auch die exzentrischen Schwiegereltern sowie Geschäftspartner Bill (René Touissant) mischen kräftig im sich verselbstständigenden Chaos mit.

Cooneys Boulevardstück kommt in der Regie von Foker Bohnet etwas schwerfällig daher. Die angekündigten „pointierten und geschliffenen Dialoge“ der Originalfassung sucht man vergebens. Stattdessen holpern Teresa Anna Brandstetter als schräge Schwiegermutter Daphne und Winfried Lünemann als trotteliger Opa um Witz bemüht durch ihre gekünstelt klingenden Texte, derweil Schwiegersohn Timothy sich mit wüsten Verrenkungen abmüht, um seine fürs Publikum sichtbare, für alle anderen aber nicht existente Flamme von hier nach da zu bugsieren. Was bei dem Filmklassiker „Mein Freund Harvey“, bei dem ein Mann von einem unsichtbaren großen weißen Hasen heimgesucht wird, ganz wunderbar funktioniert, klappt auf der Bühne nur begrenzt.

Trotzdem ist Cooneys Komödie zumindest unkonventionell, arbeitet sie doch, für Boulevardkomödien eher ungewöhnlich, ausnahmsweise mal nicht mit dem Motiv des Fremdgängers. Dass das Stück in der zweiten Hälfte an Tempo und Witz gewinnt, ist vor allem den gut aufgelegten und bestens eingespielten René Toussaint und Manfred Molitorisz zu verdanken, aber auch der Rest des Teams scheint sich allmählich warm gelaufen zu haben.

Bis zum Finale muss die arme Braut (Ursula Dirichs) freilich noch ein ganzes Weilchen mit ansehen, wie ihr aus der Spur geratener Vater und eine Kopf stehende Hochzeitsgesellschaft durch allerhand Katastrophen stolpern – nicht nur für Aussie-Import Babcock der Beweis dafür, dass Briten allesamt Exzentriker sind.

Quelle: op-online.de

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