Max Weinberg zu Gast

Ungebrochene Lebensfreude

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Ruben Talberg, Triptychon „war = peace“, 2014, Ausschnitt, Mischtechnik, 160 x 120 cm

Offenbach - Sie kennen sich seit Jahren, haben gemeinsame kulturelle Wurzeln, in ihrem Temperament sind sie aber völlig unterschiedlich - die Künstler Ruben Talberg und Max Weinberg. Von Eugen El

Talberg, 1964 in Heidelberg geboren, nutzt Atelier- und Ausstellungsräume in einem ehemaligen Schreinereigebäude im Offenbacher Nordend. Nun hat er den 86-jährigen Max Weinberg zu einer gemeinsamen Ausstellung eingeladen, die „Zwei Juden in Deutschland“ heißt. Weinberg ist ein Original, eine unübersehbare Erscheinung der Kunstszene im Rhein-Main-Gebiet. Er wurde noch zu Zeiten der Weimarer Republik in Kassel geboren, floh 1935 mit seiner Familie nach Tel Aviv, von wo er Ende der fünfziger Jahre nach Deutschland zurückkehrte und sich in Frankfurt niederließ.

Von einem wirklichen Zusammentreffen der beiden Positionen kann man zunächst nicht sprechen, denn sie sind räumlich getrennt. In einem Nebengebäude zeigt Max Weinberg eine Auswahl kleiner Formate. Seine Blätter sind von meist weiblichen Fabelwesen bewohnt, die mal nur eins, mal mehrere Augen haben, manchmal auch mehrere Brüste und Beine. Weinberg benutzt grelle Farben, setzt aber auch starke Konturen in Schwarz. Oft greift er zur Fugendichtung, um seinen Arbeiten eine skulpturale Qualität zu verleihen. Weinbergs Bilder, auch die kleinen Formate, sprühen vor Energie und vermögen es, die Schaffensfreude des Künstlers auf den Betrachter zu übertragen.

„Zwei Juden in Deutschland“ bis 13. Juni im Talberg Museum, Ludwigstraße 151, Offenbach. Geöffnet nach Vereinbarung unter Tel.: 069/84844007.

Ruben Talberg zeigt neue Werke aus seiner 2010 begonnenen Serie „Arcanum“. Talberg nutzt Rückseiten von Leinwänden, um darauf unterschiedliche Materialien zu collagieren. Vorgefundene Bilder aus Büchern und Zeitungen kommen dabei ebenso zum Einsatz wie reale Gegenstände. Die Collagen übermalt Talberg, oft unter Verwendung von Schrift. Auch Spuren von Feuer sind auf den Bildern zu erkennen. Talbergs Symbollandschaften thematisieren Okkultes, Mystisches und die alltägliche Gewalt in unserer Kultur. Sie verweigern sich dem schönen Schein und zeigen die verdrängten Schattenseiten der Zivilisation. Leider wirken Talbergs Bilder ein wenig stereotyp, als wären sie in einer Routine entstanden, die der Kunst nicht guttut.

Talbergs düster-beklemmende Leinwände und Weinbergs farbenfrohe Blätter könnten nicht gegensätzlicher sein. Eine gewisse Spannung erzeugt diese Konstellation dann doch. So bleibt es zu hoffen und zu wünschen, dass Ruben Talberg und auch andere Künstler noch viele Jahre in einen produktiven Dialog mit Max Weinbergs ungebrochener Mal- und Lebenslust treten können.

Quelle: op-online.de

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