Ungelöste Rätsel

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Mainzer Engel in der Zwischenwelt

Daran wird man noch lange zu knabbern haben, bestenfalls. Es sei denn, dass die Inszenierung am Mainzer Staatstheater, für die Ballettchef Pascal Touzeau verantwortlich zeichnet, alsbald in den Theaterorkus wandert. Von Eberhard Mittwich

Manches könnte für die zweite Variante sprechen. In der Vorankündigung ist von drei verschiedenen Stücken die Rede: „The Irin“, „The Gold Triangle“ und „The Martyr“. Geblieben ist „The Irin – Der Fluch des Engels“.

Irin, ein angeblich aramäischer Terminus für Engel, bedeutet eigentlich Beobachter. Entnommen ist er einem apokryphen Text, dem 1. Buch des Henoch, das nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurde: Die Engel haben ihre von Gott beschiedene Rolle missachtet und mit sterblichen Frauen riesenhafte Mischwesen gezeugt. Gott verdammte sie dafür und tilgte sie mit einer Sintflut von der Erde.

Vor dem Betreten des Bühnenraums passiert der Zuschauer eine Installation im oberen Foyer (Alexander Sinclair) und gelangt durch das Untergeschoss der Bühne auf eine Wartebank, wo ein Lektor auf das Kommende einstimmt. Es ist der SchauspielerTim Breyvogel als menschenähnlicher Irin, der sich in einer Mischung aus Sprache und Bewegung artikuliert und mit den dunkel gekleideten, im weiß gepunkteten Kostüm solistisch agierenden Irins (Laia Duran Figols, Anne Jung, Romain Guion und Ross Martinson) Kontakt aufnimmt. In kurzen Intervallen kommt die gesamte Kompanie auf die Bühne (Susanne Maier-Staufen).

Von Zeit zu Zeit bedienen die Solisten Videorecorder, ohne dass dem Zuschauer deutlich wird, was gespielt wird. Akustisch sind Werkfetzen von Peteris Vasks und Pablo Palacio Fernandez eingestreut, neben Textpassagen überwiegend deutschsprachiger Autoren wie Stifter, Hofmannsthal, Trakl, Rilke und Nietzsche.

Nächste Aufführungen am 1., 4., 11. und 24. Juni.

Am Ende wird die unterprivilegierte Menge sintflutartig von der Bühne gespült, die zwei Paare der Irins folgen und lassen den Menschen-Irin zurück, der getreu seiner Rolle als Letzter auf der Bühne das Licht ausknipst und seinerseits die Zuschauer sich selbst und den ungelösten Welträtseln überlässt.

Quelle: op-online.de

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