Unmoralisches Angebot

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Wenn die alte Dame (Ulrike Lodwig) Hof hält, stehen die braven Bürger Güllens Spalier.

Kann man nicht nur Unternehmen, Autos und Premium-Uhren kaufen, sondern auch demokratische Systeme, Selbstbild-Gutmenschen und ganze Städte? Friedrich Dürrenmatts Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ ist ganz und gar nicht weniger aktuell als vor gut 50 Jahren – Beispiele, nach denen sich solche Fragen stellen lassen, füllen die Presse.

Am Donnerstag, 17. Juni, um 20 Uhr ist das Theater für Niedersachsen (Hildesheim/Hannover) mit diesem Klassiker der parodistischen, doch gleichwohl durchdringend ernsten Gesellschaftskritik zu Gast bei der „Theater-Essenz“ im Offenbacher Capitol. Dürrenmatts gelungene Verbindung von Krimi und Komödie in einer äußerst frischen Inszenierung verheißt einen so intelligenten wie kurzweiligen Abend.

Die „alte Dame“ besucht nach Jahrzehnten ihre Heimatstadt Güllen. Claire Zachanassian, geborene Klara Wäscher, hat mittlerweile ein Milliardenvermögen angehäuft; der Ort aber ist verarmt. Während die Einwohner auf reichen Geldsegen hoffen, will Claire nur eins: Rache für ein altes Unrecht.

Reich durch Hochzeit mit Ölquellenbesitzer

In ihrer Jugend erwartete sie ein Kind von dem Güllener Alfred Ill. Der jedoch bestritt die Vaterschaft und gewann mit Hilfe bestochener Zeugen den von Klara gegen ihn angestrengten Prozess. Sie verließ die Stadt arm und entehrt. Durch ihre Ehe mit einem amerikanischen Ölquellenbesitzer gelangte sie zu unermesslichem Reichtum.

Nun ist sie in ihrer Heimatstadt eingetroffen und macht den Bürgern ganz offen ein unmoralisches Angebot: Eine Milliarde will sie ihnen schenken, wenn sie Ill umbringen. Die scheinheilige Empörung legt sich rasch. Allein die Aussicht auf Reichtum lässt die Herzen der Bürger höher schlagen, und sie mutieren zu Menschenjägern, die sich allerdings nur in der Masse sicher fühlen.

Eintrittskarten im Vorverkauf sind erhältlich im OF- Infocenter, Salzgässchen 1.

Telefon:  069 8065-2052 und an den üblichen Verkaufsstellen sowie unter dem Online-Ticketshop Adticket

Petra Wüllenweber hat die Handlung spektakulär in Szene gesetzt. Sie hat eine schrille, groteske Welt geschaffen, die sich auf den schiefen Bahnen des Bühnenbilds abspielt. Gewürzt ist das Geschehen mit passenden Titeln von Abba wie „Money, Money, Money“, „The Winner Takes It All“ und „Waterloo“. Zum Ende bezieht die Regisseurin gekonnt das Publikum in die Handlung mit ein. So erlebt der Zuschauer live die entscheidende Szene der Gemeindeversammlung und weiß nicht, ob er am Schluss lachen oder weinen soll.

Nachdenklich stimmt die Aufführung allemal. Gleichzeitig verspricht diese Inszenierung einen würdigen Abschluss für die erste Saison der Reihe „Theater-Essenz“.

Quelle: op-online.de

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