Portikus zeigt Dan Grahams vieldiskutierte amerikanische Vorstadtansichten.

Für Unter- und Oberschicht

Blick in die Ausstellung „Dan Graham Presents New Jersey“ (Portikus 2009)

Mitte der 60er fuhr er selbst täglich mit dem Zug ins glitzernde New York, um abends wieder in eine Vorortsiedlung im angrenzenden Bundesstaat New Jersey zu pendeln. Dan Graham war Anfang 20, hatte künstlerische Ambitionen, aber kein Geld. Also kaufte er sich eine billige Instamatic-Kamera und begann festzuhalten, was er täglich sah – amerikanische Vororte.

Dabei interessierte ihn besonders der unterschiedliche Wohnungsbau für Unter- und Oberschicht. 1966 traf er mit dem daraus resultierenden Foto-Text-Essay „Homes of America“ den Nerv der Zeit. „Suburbia“ war ein vieldiskutiertes Thema, Grahams Arbeit wurde Teil der Debatte.

Der Frankfurter Portikus zeigt unter dem Titel „Dan Graham Presents New Jersey“ Fotografien aus der vor 40 Jahren entstanden Serie, kombiniert mit Aufnahmen aus dem Jahr 2006. Die jüngeren Arbeiten sind in Zusammenarbeit mit dem Architekturlehrstuhl der New Yorker Columbia University entstanden. Teils wurden dieselben Orte ins Visier genommen; etwa der eigentümlich gekachelte Laden für Strandbedarf, in dem noch die gleichen aufblasbaren Gummitiere verkauft werden. Weiter sind Häuserreihen, Eingangsfronten, Gärten, Geschäfte und Restaurants zu sehen. Gestern und Heute sind kaum voneinander zu trennen.

Neben strengen Außenaufnahmen gibt es Innenansichten von Läden, meist wie im Vorbeigehen durchs Fenster fotografiert. Selten sind Menschen zu sehen. Insgesamt wirken weder Motive noch Herangehensweise spektakulär. Grahams Sicht auf New Jersey ist nicht persönlich, obwohl er dort gelebt hat, sondern kühl und dokumentarisch. Besonderheiten finden sich eher in den Wandtexten, die sich mit einzelnen Schauplätzen befassen.

Der 1942 in Illinois geborene Graham zählt zu den einflussreichsten Konzeptkünstlern. Ursprünglich hat er Philosophie studiert. 1972 zeigte er Arbeiten bei der dokumenta 5 in Kassel. Bis heute ist er kontinuierlich in nahezu allen wichtigen internationalen Ausstellungen vertreten. Am bekanntesten sind Grahams aus Glas und Stahl gefertigten Pavillons und die paraventartigen Skulpturen, die im Freien wie in Ausstellungshallen einen Raum im Raum einnehmen. Die Beschäftigung mit Architektur und deren Stellenwert in der postmodernen Gesellschaft prägt sein Gesamtwerk. ANKE STEINFADT

„Dan Graham Presents New Jersey“, bis 12. Juli im Portikus Frankfurt, Alte Brücke 2. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 18, Mittwoch 11 bis 20 Uhr

Quelle: op-online.de

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