Digitale Bildkompositionen von Alexandra Königsmann in Rödermarker Videor Art Foundation

Unvergessene Freiheitsgefühle

Reflexionen: „Going out San Francisco – Golden Gate Bridge“

Rödermark - Die außergewöhnliche Bandbreite des Schaffens der Fotokünstlerin Alexandra Königsmann zeigt die Rödermarker Videor Art Foundation zurzeit in einer Ausstellung. Von Claus Wolfschlag

Die 1957 in Bremen Geborene begab sich nach einem Kunstpädagogik-Studium Anfang der 80er Jahre nach San Francisco. Freie Kunst wollte sie dort studieren, doch scheint sie dort auch die freie Liebe gefunden zu haben. Dies legen jedenfalls ihre beeindruckenden Arbeiten der Serie „going out“ nahe.

In vielfältig bearbeiteten Collagen sieht man nackte Personen an öffentlichen Plätzen der Westküsten-Metropole. Bei den Nudisten handelt es sich meist um die Künstlerin selber, einmal um ihren damaligen Freund. Und Königsmann weiß auch die Anekdote zur Entstehung zu erzählen. 1984 hätte ihr einstiger Freund Billy zu ihr gesagt: „Let´s go out, but naked.“ Königsmann machte mit, und Billy fotografierte sie nackt auf der Golden Gate Bridge. An dieses Gefühl der Freiheit, als sie auf das Wasser blickte, erinnere sie sich noch heute genau, berichtet die Künstlerin.

Der Session folgten noch zwei kurze in China Town und im Finanzdistrikt. Zwar hätten Autofahrer gehupt, aber Polizei wäre keine erschienen. Heute wäre dies angesichts flächendeckender Videoüberwachung infolge der Terroranschläge von 2001 in den USA wohl nicht mehr möglich und würde wahrscheinlich mit Haft bestraft. Kurz nach jener freien Zeit zog Königsmann nach München, wo sie heute lebt.

Billy war längst aus den Augen verloren, als sie vor acht Jahren begann, sich des alten Fotomaterials künstlerisch anzunehmen. Jeweils mehrere Nacktaufnahmen wurden zerschnitten, überlappten sich schließlich und sprengten das Raumgefüge. Filigrane Collagen voller Lebendigkeit entstanden. Ebenfalls Körperbilder, aber viel stärker noch in die Abstraktion reichend, schuf Königsmann mit der Reihe „Grenzgänger“. Aus Fotos von Anglern und Joggern, die sie frühmorgens an der türkischen Riviera geschossen hatte, erreichte sie durch vielfache Bildüberlagerungen und Spiegelungen dynamische Bewegungsstudien.

Königsmanns Talent für harmonische Farbstrukturen zeigt sich in sämtlichen ihrer Arbeiten, die sie vorzugsweise auf Aluplatten drucken lässt. Etwa im technoid grünlichen „Endlich frei“ von 2007. Oder bei Familienbildern, die 2008 für eine Schau im Münchner Haus der Kunst geschaffen wurden, und deren Personen nur aus farbigen Umrisslinien bestehen. Nicht nur daran spürt man die tiefe Prägung der Künstlerin durch die 80er Jahre.

‹ „Alexandra Königsmann: digitale Bild-Kompositionen“ bis 4. November in der Videor Art Foundation, Carl-Zeiss-Straße 8, Rödermark. Geöffnet: Montag bis Donnerstag 9-17.30 Uhr, Freitag bis 17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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