Unwegsamkeiten einer Profession

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Installation von Stephan Dillemuth

Frankfurt - Künstler werden in der Öffentlichkeit auf unterschiedliche Weise wahrgenommen – als Freigeist oder Spinner, als intellektuelle Instanz oder pure Unterhaltung, als Vermittler oder Querulant. Von Anke Steinfadt

Dennoch gibt es einen gemeinsamen Nenner, den der Direktor des Frankfurter Kunstvereins Holger Kube Ventura so zusammenfasst: „In der Tätigkeit von Künstlern werden Manifestationen der Freiheit des Subjekts gesehen, an denen eine Gesellschaft ihre Fähigkeit zur Toleranz und Selbstbefragung überprüfen kann.“ Sieben zeitgenössische Positionen sollen in der Ausstellung unter dem Titel „Bilder vom Künstler“ diese These belegen.

Beim Betreten des von Paule Hammer eigens gestalteten Raums im zweiten Obergeschoss entsteht der Eindruck, in das Reich eines so genialen wie wahnsinnigen Forschers Einlass zu erhalten. Die Installation „Weltenzyklopädie III“ besteht aus einer betretbaren Pyramide, einer riesigen Weltkarte und einzelnen Tafeln, die von kopflosen Riesen gehalten werden. Dazu sind die Wände in riesigen Lettern beschrieben. Überall ist Schrift: Gedanken des Künstlers in kurze Sätze gefasst, Assoziationen zu jedem nur erdenklichen Thema von Weltpolitik bis zu persönlichen Erinnerungen. Es kostet Mühe, die unregelmäßig laufenden Zeilen zu entziffern; doch es lohnt sich, in die Gedankenwelt des 1975 in Leipzig geborene Malers einzutauchen.

Einzige Frau in der Auswahl ist Manuela Kasimir

Mark Aschenbrenner betrachtet die Unwegsamkeiten einer Künstlerexistenz von außen – in bewegten Bildern. Die Filme „Zweite Sonne“ und „Im Abri 3“, jeweils acht Minuten lang, beschäftigen sich mit dem Ringen nach Ideen, den Schwierigkeiten ihrer Umsetzung und dem Kampf um Anerkennung. Der Protagonist, den er selbst verkörpert, ist gefangen in seltsamen Anzügen aus Latex und Plastik. Der 1971 in Linz geborene, in Berlin lebende Künstler, gibt in den aufwendig gestalteten und spannungsreich geschnittenen Videos den tragischen Helden. Eins der Fantasie-Kostüme kann gleichzeitig als Objekt „Silbermann“ in Natura besichtigt werden.

„Bilder vom Künstler“ noch bis 17. Januar 2010 im Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

Weitere Interpretationen der Rolle eines Künstlers zeigen Michael Franz, Stephan Dillemuth und Andreas Wagner. Einzige Frau in der Auswahl ist die 1981 in Leipzig geborene Manuela Kasimir, die in digital bearbeiteten Schwarzweißaufnahmen, in deren Mittelpunkt sie selbst steht, irritierende Details offenbart. Den Künstler als Unternehmer stellt der 44-jährige Belgier Wim Deloye dar. Er lässt nach eigenen Plänen Stahlmodelle herstellen, die Schaufelbagger und Betonmischer wie gotische Kathedral architekturen darstellen. Von fremder Hand gefertigte Kunstwerke veräußert beispielsweise Jeff Koons zu astronomischen Summen.

Quelle: op-online.de

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