US-Bürgerrechtlerin Angela Davis nach Frankfurt zurück

Ein Leben wie im Krimi

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Angela Davis

Frankfurt - Das Cornelia Goethe Zentrum für Frauenstudien an der Universität Frankfurt hat eine Angela-Davis-Gastprofessur eingerichtet. Die berühmte US-Frauen- und Bürgerrechtlerin eröffnet den nach ihr benannten Lehrstuhl persönlich. Von Christina Lenz 

Wer von Angela Davis’ Leben hört, wähnt sich schnell in einem Krimi. Aus der begabten Studentin, die Mitte der 60er Jahre mit einem Stipendium an die Universität Frankfurt gekommen war, wurde innerhalb kurzer Zeit eine der „zehn gefährlichsten Verbrecher“ der USA. Seit Ende der 60er Jahre kämpfte die radikale Aktivistin in den USA an der Seite der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Black Panther Party und der Kommunistischen Partei. „Theorie und Praxis haben für mich immer zusammen gehört“, sagt sie jetzt in Frankfurt, wohin die 69-jährige als Gastprofessorin zurückgekehrt ist. Der Abschied von Frankfurt war der Beginn ihrer Diskriminierung. Schnell verliert sie wegen des politischen Engagements ihre Stelle als Professorin. Kurze darauf wird sie im Zusammenhang mit einer Geiselnahme zur Freilassung politischer Gefangener, bei der auf ihren Namen registrierte Waffen gefunden wurden, festgenommen und eingesperrt. Sogar die Todesstrafe droht ihr.

Der in vielen Augen unrechtmäßige Gefängnisaufenthalt mobilisiert Stimmen der Solidarität auf der ganzen Welt. Studenten, Intellektuelle und politisch Verbündete demonstrierten damals weltweit, auch in Frankfurt. Etliche Popgrößen von John Lennon bis zu den Rolling Stones bekundeten Solidarität und forderten die Freilassung von Angela Davis. Seit dieser Zeit ist die Bürgerrechtlerin zu einer Ikone der politischen Befreiungsbewegungen geworden. Frauen versuchten damals ihren Haarschnitt zu kopieren, kauften T-Shirts mit ihrem Konterfei. Sie selbst kann sich mit ihrem Image als politischer Star bis heute nicht identifizieren: „Ich weiß wer ich bin“, sagt sie selbstsicher. Für sie sei ihr Engagement einfach selbstverständlich gewesen. Aufgewachsen in Birmingham in Alabama habe sie früh begriffen, dass alles, was sie tat, auch Einfluss auf die Gesellschaft habe.

Ihre Frankfurter Zeit hat Davis in guter Erinnerung: „Diese Zeit hat das Muster für meinen weiteren politischen Lebensweg vorgegeben“, sagt die Aktivistin. Zerrissen sei sie damals gewesen zwischen ihrer Neugier auf die Frankfurter Schule und der aufkeimenden Bürgerrechtsbewegung in ihrer Heimat, die letztlich mehr Anziehungskraft ausgeübt hat. Das „Zurück zur Theorie“, das Lehrer wie Adorno propagiert hätten, sei mit ihrer Position unvereinbar gewesen. Auch heute ist sie noch von politischem Aktivismus überzeugt, ist begeistert von Bewegungen wie „Occupy“. Egal ob es um die Asylpolitik in Europa geht oder um Gefängnisse weltweit, die sie als Auffangbecken für Menschen ansieht, die im globalen Kapitalismus nicht mehr mithalten können. Noch heute kritisiert sie, wo sie kann.

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Am 7. Dezember, 18 Uhr, hält Angela Davis einen öffentlichen Vortrag im Casino-Gebäude der Universität Frankfurt. Am 10. Dezember, 20.30 Uhr, läuft im Frankfurter Cinema-Kino in ihrem Beisein der Film „Free Angela And All Political Prisoners“ mit anschließender Diskussion.

Quelle: op-online.de

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