Verdi-Oper aus dem Baukasten

+
In der Höhe nicht ausreichend flexibel singt Yamina Maamar die titelgebende Partie der versklavten äthiopischen Prinzessin.

Darmstadt - Stolz ist man am Staatstheater Darmstadt auf in jüngerer Zeit gewachsene Zuschauerzahlen. Von Axel Zibulski

Dieser Trend dürfte nicht abreißen, denn derzeit reihen sich die Premieren zugkräftiger Repertoire-Klassiker dicht aneinander: Zwei Wochen nach Mozarts „Zauberflöte“ und einen knappen Monat vor der „Fledermaus“ von Johann Strauß hatte nun Giuseppe Verdis „Aida“ Premiere. Vom Darmstädter Haus allein lässt sich diese enge Taktung von Neuvorstellungen natürlich kaum stemmen. Und so ist die „Aida“ ganz neu dann doch nicht, sondern eine Koproduktion mit dem Theater Chemnitz: Die Regie wird ausgewiesen „nach einer Inszenierung von Michael Heinicke“.

Heller, rechteckiger Einheitsraum

Einen „Verzicht auf viel Glanz und Gloria“ sah die Freie Presse Chemnitz vor gut einem Jahr nach der dortigen Premiere dieser nach Darmstadt übernommenen „Aida“, deren Austauschbarkeit in der Tat nicht von der Hand zu weisen ist. Ein heller, rechteckiger Einheitsraum wird in der Mitte geprägt von einem großen, absenkbaren Würfel, der mit allerhand ägyptisierten Symbolen ausgestattet ist.

Verdis afrikanische Variante des Operntodes durch Einmauerung der versklavten äthiopischen Königstochter Aida mit dem ägyptischen Heerführer Radames gerät hier freilich zur unfreiwilligen Karikatur, weil der Würfel sich nur so lange absenkt, bis er in den Seilen hängen bleibt, die Radames gefangen halten. So kauern die beiden dann unter dem unvollständig bleibenden Schlussbild, bis sich gnädig der Vorhang senkt. Eine Panne als spektakulärster Moment? Ja, denn zuvor: Standbilder mit weiten Gewändern und großen Hüten (Ausstattung: Peter Sykora).

Optisch aparter Scherenschnitt

Nächste Vorstellungen am 22. und 29. Oktober sowie am 7. und 21. November.

Der als indisponiert angekündigte und ebenso hörbare Tenor Zurab Zurabishvili singt eingangs sein „Celeste Aida“ ebenso an der Rampe wie später die dunkel bis herbe, in der Höhe wenig flexible Aida von Yamina Maamar ihr „O patria mia“. Mehr optisch aparter Scherenschnitt als ausgearbeitetes Musiktheater ist diese „Aida“, die immerhin auf der musikalischen Seite einige ansprechende Facetten bietet: Constantin Trinks hält das Darmstädter Orchester sowie die stark geforderten Chöre eben nicht nur zu plakativen Aktschlüssen, sondern auch zu reichlich dezenten Zwischentönen an, Yanyu Guo ergänzt als Amneris das Protagonisten-Trio mit attraktivem Mezzo, als Aidas Vater Amonasro klingt Bastiaan Everink treffend dunkel-dämonisch. Im Opernbetrieb dürfte diese „Aida“ nicht negativ, nicht positiv auffallen. Aber war es das, was man sich erwartete, als unlängst John Dews Vertrag als Intendant verlängert wurde?

Quelle: op-online.de

Kommentare