Verführer und Freier

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Mephisto treibt Schabernack mit Studenten.

Dreieichenhain - Gott sieht aus wie Goethe und ist eine Frau. Der Unterteufel ist ein Männlein mit rotem Haar. Und die Erzengel rappen. Ganz so modern geht’s nicht weiter mit der Tragödie erstem Teil. Von Markus Terharn

Aber die peppige Musik ist ein Kennzeichen dieses „Faust“ der Neuen Bühne Senftenberg, mit dem die Burgfestspiele Dreieichenhain ihre Saison eröffnen.

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Ungewohnt ist das Ambiente im Burggarten: Gespielt wird auf einem zweistufigen schwarzen Podest zwischen Tribüne und Bühne, auf der ebenfalls Zuschauer sitzen. Von den Seiten ist die Sicht nicht ideal; Mikroports sorgen dafür, dass ringsum jedes Wort verständlich ist. Wüsste man es nicht besser, man würde glauben, die Inszenierung wäre für diesen Ort entwickelt worden.

Die sattsame Bekanntheit des Textes ironisiert Regisseur und Hauptdarsteller Sewan Latchinian gleich zu Beginn, als das Publikum sich auf die Zeile „Da steh ich nun, ich armer Tor!“ seinen Reim machen darf. Für die öde Abfolge von Erkenntnisdrang, Geisterbeschwörung, Selbstmordgedanken und Erweckungserlebnis, nur unterbrochen vom drögen Famulus, ist ihm wenig eingefallen. Erst mit der Volksmenge des Osterspaziergangs ist Leben in der Bude.

Und mit Mephistopheles: Heinz Klevenow trägt Humor und Dämonie ein. In komischen Kabinettstückchen malträtiert er einen Pisa-Versager (Abgangsapplaus für Bernd Färber) und vier Studenten, dass es schmerzt. Als Verjüngungs-Beauftragte gibt Catharina Struwe eine Hexe mit Feuer.

In neuen Körpern zetteln Faust und Mephisto, Lutz Aikele als forscher Freier und Till Demuth als fieser Verführer (Bestnote), die Gretchentragödie an. Die bietet Struwe eine Zweitrolle als herrlich naive Marthe, vor allem aber Daniela Voß Gelegenheit, erschütternde Töne anzustimmen. Ihre Margarete wandelt sich überzeugend vom Mädel mit Putzfimmel zum Opfer geistiger Umnachtung – parallel zur hereinbrechenden Dunkelheit. Dazwischen, hübsche Idee, die Verhandlung der Religionsfrage in Form einer lustigen Bettszene.

Gut drei Stunden dauert der Weg vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Gegenwärtige Kostüme, sparsame Requisiten und dezent eingesetzte Lichteffekte erzeugen einen Minimalismus mit einiger Wirkung. Ein Lob für den hohen Anspruch dieser Premiere – bei der Ausführung sind kleinere Abstriche zu machen.

Quelle: op-online.de

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