Verkannter Kunst-Pionier

+
Großformatige Malerei mit Anziehungskraft: Jack Goldsteins wandfüllendes Tryptichon „Untitled“ aus dem Jahr 1980.

Jack Goldstein verortete seine Kunst zwischen Minimalismus und Pop-Art. Bei der ersten Kunstrichtung fasziniert ihn Objekthaftigkeit und Autonomie, bei der zweiten „der Stoff unserer Kultur, der sich in der Pop-Art findet“. Von Tina Owczarek

In der Retrospektive im Frankfurter Museum für Moderne Kunst hängen Vitrinen mit Schallplatten in einer Reihe. Aus Lautsprechern wimmert, brummt und scheppert es, und man müsste wohl lange zuhören, um herauszufinden, dass der Künstler kommerzielle Archive konsultiert hat. „A German Shepherd, The Tornado, The Burning Forest, The Dying Wind“: Ohne sich näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen, vor dem diese Werke entstanden sind, wirken die Objekte schwer verdaulich und nicht besonders sinnlich.

In einem anderen Raum hängen Wände voll mit Lithografien. Untereinander ordnete der Künstler Zeichen, Aphorismen und anderes Druckwerk an. Ein Sinn erschließt sich nicht. Ein Film zeigt einen handschriftlichen Text, der vorgelesen wird, am Ende jeder Seite sieht man sie von oben nach unten abbrennen.

Jack Goldstein „Art should be a trailer for the future“ bis 10. Januar 2010 im Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 20 Uhr.

Jack Goldstein ist in der permanenten Sammlung des MMK vertreten und gehörte zur Avantgarde seiner Zeit (1945–2003). Er studierte in der berühmten Klasse von John Baldessari und gelangte durch die Ausstellung „Pictures“ mit Künstlern wie Troy Brauntuch, Sherrie Levine und Robert Longo zu einigem Ruhm. Goldstein gehörte zu den Pionieren der multimedialen Kunst. Bei zweien seiner Filme kann man nachvollziehen, wie fortschrittlich sie gewirkt haben müssen: Ein Kunstspringer ist bei Ausübung seines Sports zu sehen, vor leerem Hintergrund als ausgeschnittene Figur, die aus irrlichternden Flammen besteht. Im anderen Streifen sieht man einen Vulkanausbruch, der aus rot-gelb-orangen Farben gemischt ist. Goldstein hat sich seine Einfälle von Spezialisten ausführen lassen – das muss seinen Zeitgenossen revolutionär erschienen sein. Aus heutiger Sicht erscheinen seine Werke trotz innovativer Ideen nicht besonders aufregend.

Von Goldsteins großformatigen Leinwänden aus den 80er Jahren kann man sich hingegen gar nicht losreißen. Beispielsweise ein Gemälde mit einer schmalen Silhouette von brennenden Häusern in der Mitte, die aus einem Meer schwarzer Farbe herausglüht; am unteren Bildrand leuchtet ein grüner, schmaler Streifen. Oder der Vulkanausbruch in Leuchtfarben auf Schwarz. Manche Bilder zeigen grob aufgerasterte Details in Neonfarben, die aussehen wie Infrarotfotografien. Die Malerei zieht den Betrachter magisch an. Obwohl Goldstein bei Kollegen und im Fachpublikum sehr geschätzt wurde, gelang ihm nie der Durchbruch. Seinem von Drogenexzessen geprägten Leben setzte er mit 58 Jahren selbst ein Ende.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare