Verleger mit Genie und viel Gespür

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Wie der an Heiligabend vor 150 Jahren in Ungarn geborene Jude Samuel Fischer zum bedeutendsten Vertreter seiner Zunft in Deutschland wurde, verrät eine Biografie, die jetzt in seinem Haus erschienen ist.

„Dem Publikum Werte aufzudrängen, die es nicht will“, das sah Samuel Fischer als Auftrag des Verlegers an. Wie der offiziell an Heiligabend vor 150 Jahren in Ungarn geborene Jude zum bedeutendsten Vertreter seiner Zunft in Deutschland wurde, verrät eine Biografie, die jetzt in seinem Haus erschienen ist. Von Markus Terharn

Deren Präsentation im überfüllten Holzhausenschlösschen vermittelte davon zumindest eine Vorstellung. „Eine Lebensbeschreibung“ nennt Barbara Hoffmeister ihr 500-Seiten-Buch bescheiden. Dabei hat sie Fakten recherchiert, die in Peter de Mendelssohns dreimal so dickem Wälzer „S. Fischer und sein Verlag“ fehlen. Geschrieben für Menschen, die den Mann nicht kennen, traf ihr Werk bei der Frankfurter Bürgerstiftung naturgemäß auf großen Sachverstand. Wie es kommt, dass mit S. Fischer und Suhrkamp zwei Verlage auf einen „Vater“ zurückgehen, durfte sie als bekannt voraussetzen.

In knapp anderthalb Stunden vermochte Hoffmeister ihren Stoff nur anzureißen. Zwar malte sie ein historisches Panorama der Zeit von S. Fischer (1859-1934), wie er fast immer unterzeichnete. Literarische Strömungen fanden Niederschlag in Namensnennungen: Ibsen, Hauptmann, Brahm. Aber die Persönlichkeit des Porträtierten blieb an diesem Abend unscharf. Ein Menschenfischer mit Gespür für schriftstellerische Begabung, das war der Wahl-Berliner ganz sicher.

Im Gespräch mit Moderator Clemens Greve bewies Hoffmeister indes, dass sie auf alle Fragen eine Antwort hat. Und die meisten dürften sich nach Lektüre von „S. Fischer. Der Verleger“ erledigt haben.

Als „Glückskind und eine Art von Genie“ bezeichnete Thomas Mann seinen Verleger. Das mit dem Glückskind wagte die heutige S.-Fischer-Chefin Monika Schoeller zu bezweifeln. Dem Geniebegriff stimmte das Publikum zu.

Quelle: op-online.de

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