Versklavtes Land

Frankfurt - Wann verzichtet das deutsche Parlament auf die Wirtschaftsweisen und engagiert stattdessen Volker Pispers? Satte drei Stunden netto doziert der 53 Jahre alte Kabarettist in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper über Gott, die Welt, Politik und Wirtschaft. Von Ferdinand Rathke

Und das derart dezidiert, dass dem Wahl-Düsseldorfer eigentlich umgehend eine Anstellung auf Lebenszeit als Orakel von Berlin angetragen werden müsste.

Zusammenhänge transparent zu machen, das hat sich der gebürtige Ruhrgebietler aufs Banner geschrieben. Mit seinem philosophischen Manifest „Bis neulich“ überholt er selbst ihm ebenbürtige Kritikgeister wie Georg Schramm, Hagen Rether und Florian Schroeder.

„Frau, die sich auf nichts festlegen lässt“

Pispers’ penibel ausgemalte Bilder wie etwa das vom Kapitalismus als Feudalsystem mit einem Millionenheer an Leiharbeitern, den Sklaven, erzeugt Lacher, die im Halse stecken bleiben. Er spricht von „uns verängstigten Deutschen, die immer ruhig halten, ganz gleich, was da noch an Einschränkungen und Entbehrungen auf uns zukommen mag“. Gesteuert von der Kanzlerin, „der Frau, die sich auf nichts festlegen lässt“.

Damit keiner auf die Idee käme, Pispers’ gespürte Nähe zu den Linken, deren Tun und Handeln er verteidigt, könne Parteilichkeit sein, teilt er nach allen Seiten aus. Pointiert nimmt Pispers Reizfiguren wie Thilo Sarrazin, Horst Seehofer, Philipp Rösler und Ursula von der Leyen aufs Korn. Franz Beckenbauer bezeichnet er als „Schlichtgestalt“.

Mindestens ebenso lang, wie die Kanzlerin im Fokus von Pispers steht, widmet sich der Rhetoriker den Vereinigten Staaten: „Die Amerikaner sind die Griechen der Chinesen“, beschwört er eindringlich. „Spitzenmanager“ nennt er „raffgierige Versager“. Versöhnlich wird Pispers, der mit nur einem gelegentlichen Schluck aus dem Wasserglas auskommt, erst am Andenkenstand, beim Autogrammschreiben und Händeschütteln.

Quelle: op-online.de

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