Verzauberte Landschaften

„Die Schwarze Romantik“, unter anderem mit Caspar David Friedrichs „Kügelgens Grab“ (1821/22), ist der Städel-Beitrag zum Kulturfonds-Schwerpunkt.

Frankfurt - Wenn Max Hollein zum Hintergrundgespräch im kleinen Kreis bittet, sind dennoch fast vierzig Pressevertreter versammelt. Von Carsten Müller

So bedeutsam sind die Mitteilungen des Frankfurter Museumschefs, der nicht nur den größten Umbau in der Geschichte des Städelmuseums verantwortet, sondern für die von ihm betreuten Institutionen Städel, Schirn und Liebieghaus für 2012 ein hochkarätiges Programm auf die Beine gestellt hat, das überregionale Strahlkraft besitzt.

Jeff Koons, „Loopy“ (1999)

Vor allem die am Römerberg gelegene Kunsthalle Schirn wartet mit Attraktionen auf, beginnend bei der Schau von Edvard Munchs Spätwerk (9. Februar bis 13. Mai), dessen modernen Blick und den Einfluss der Fotografie in den Mittelpunkt rückend, über Jeff Koons als Maler (21. Juni bis 23. September) und den das urbane Leben porträtierenden Gustave Caillebotte („Ein Impressionist und die Fotografie“, 18. Oktober bis 20. Januar 2013), bis hin zur Geburtstagsausstellung für die dann 80 Jahre alt werdende John-Lennon-Gattin Yoko Ono (15. Februar bis 12. Mai 2013), die laut Hollein zur Neubewertung der Fluxus-Künstlerin führen könne.

Themenausstellung zu Intimität und Privatsphäre

C. Lorrain, „Landschaft mit Christus, der Maria Magdalena erscheint“ (1681)

Dazwischen ermöglicht die Schirn Begegnungen mit den monströsen Figuren des East-Village-Malers George Condo („Mental States“, 22. Februar bis 28. Mai), eine Überblicksschau des mit Reproduktion und Symbolen arbeitenden Frankfurters Michael Riedel („Kunste zur Text“, 15. Juni bis 9. September) sowie eine Installation der Deutsch-Iranerin Bettina Pousttchi („Framework“, 19. April bis 17. Juni), die historische Altstadt-Architektur verarbeitet. Für den Herbst ist die Themenausstellung „Privat“ geplant, die sich mit neuen Medien und der Frage nach Intimität und Privatsphäre auseinandersetzt.

Jeff Koons ist 2012 allerorten, so auch vom 21. Juni bis 23. September im Liebieghaus. Das eigentlich einer Zeitspanne von Antike bis Klassizismus vorbehaltene Skulpturenmuseum präsentiert „ausnahmsweise“ Gegenwartskunst mit teilweise neuen Koons-Arbeiten. Hollein erwartet davon wegweisende kunsthistorische Erkenntnisse.

Bilder von Claude Lorrain

E. Munch, „Sternennacht“ (1922-24)

Das Städel bietet schon im Februar Schwergewichte auf: den im 17. Jahrhundert vergötterten und gleichermaßen stilbildenden Landschaftsmaler Claude Lorrain („Die verzauberte Landschaft“, 3. Februar bis 6. Mai), über den Goethe sagte, seine Bilder zeigten „die höchste Wahrheit, aber nicht die Wirklichkeit“. Dann wird am 25. und 26. Februar der spektakuläre Museumsneubau mit Tagen der offenen Tür eröffnet. Die 3 000 Quadratmeter Fläche der unterirdischen Gartenhallen sind der Gegenwartskunst vorbehalten. Ab 8. März steht die Graphische Sammlung im Mittelpunkt, wenn unter dem Motto „Freiheit des Sehens“ Blätter von Korell bis Corinth gezeigt werden (bis 28. Mai). Das Verhältnis von Malerei und Fotografie greift die Ausstellung „Strategien der Aneignung“ (22. Juni bis 23. September) auf. Abgründige und geheimnisvolle Seiten der Kunst zeigt die Präsentation „Die Schwarze Romantik“ (21. September bis 20. Januar 2013) mit Werken von Goya bis Max Ernst, die passend zum Kulturfonds-Schwerpunkt „Impuls Romantik“ einen weiten Bogen bis hin zu Grimms Märchenwelten spannt.

Vom 9. November bis 3. Februar 2013 zeigt das Städel den relativ großen eigenen Bestand an Zeichnungen des Renaissance-Genies Raffael, ergänzt um kostbare Leihgaben und eine Kabinettausstellung, die um Raffaels Bildnis des Papstes Julius II. kreist. Eine von vielen Neuerwerbungen des eifrig seinem Sammlungsauftrag nachkommenden Museums. Ab 2. Februar steigen allerdings die Eintrittspreise für Vollzahler von zwölf auf 14 Euro.

Quelle: op-online.de

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