Rumpenheimer Kunsttage

Viele Wege zur Kunst

Andrea Plefkas Aquarelle und Gouachen wirken federleicht.

Offenbach - Was einst Teil der Offenbacher „Kunstansichten“ war, ist zum eigenständigen Festival gereift: Die „Rumpenheimer Kunsttage“ locken zum früheren Landgrafenschloss. Von Reinhold Gries

Nach dem Vorspiel mit Leonore Poths Pastellen in der Kunstscheune, nun durch Ute Jeutters Aquarelle im Innenhof ergänzt, beginnt das Festival heute um 19 Uhr mit der „Ouverture“ in der Schlosskirche, wo die Gemeinschaftsausstellung eine Woche geöffnet bleibt.

Nicht nur bei der Soirée mit Harfenistin Mónica Rincon und Flötistin Nina Steinbronn werden die Kunst- auch zu Musiktagen. „Lyrik und Musik“ sowie ein „Spaziergang mit Saxophon“ begleiten den mit roten Fußspuren markierten Rundgang am Wochenende durch 14 Kunststationen. Der Parcours führt von Schloss-Casino, historischen Tiefkellern, Mausoleum und Innenhof über Schloss- und Fischergasse bis zur Schreibwerkstatt Klingspor in die Kunstfabrik und zur Landgraf-Friedrich-Straße. Dabei zeigen 24 Künstler Fotografie, Malerei, Skulpturen und Objekte, Installationen, Lichtkunst und Grafik.

Prägend sind dabei renommierte Formgeber wie Wolfgang Uhl. Aus Ostseekieseln formt er ebenso einzigartige Schmuckobjekte wie aus Bergwerk-Bernsteinen, Poona-Cavansit-Kristallen oder Rohopalen. Sein Studio wird durch Petra Maria Mühls in Wachs gegossenen und dann virtuos fotografierten „Rosenkosmos“ zum Gesamtkunstwerk. In der Kirche hat Uhl eine Papierarbeit in QR-Code bedruckt, mit dem Besitzer internetfähiger Handys „WasserFilme“ abrufen können. Meister ihres kunsthandwerklichen Fachs sind auch Glasfusing-Experte Chris Reinelt und Keramik-Designerin Birgit Palt. Während Reinelts klar strukturierte Schalen und Scheiben oft das Erbe des Bauhauses fortschreiben, pendelt Palt zwischen Nutzwert und unerschöpflichen Möglichkeiten von Porzellan, Steinzeug und Textil.

Hohen Anspruch pflegen auch Kalligrafien von Maritta Staacks von der Schreibwerkstatt Klingspor im Hoefer-Archiv wie in der Kirche. In deren Logen hat die frischgekürte Staatspreisträgerin Sabine Perez (Work-)Shops eingerichtet, um vergessene Leinenstickkunst zu neuem Leben zu erwecken. Dazu bespielt Ehemann Daniel Perez zwei Kirchenbänke mit Hörinstallationen zu eigenen Texten und spiegelt Gehörtes visuell im Kirchenschiff. Dort hängt eine der großformatig abstrahierenden Malereien Regina Bahmanns als Projektionsfläche für Träume und Assoziationen, während Jörg Häuslers Farbigkeit daneben ins Dreidimensionale führt. In Innen- wie Außenräumen trifft man auf Materialexperimente wie Daniel Michels mit Flachkies besetzte Holzkörper, Hannes Metz‘ gleichnishafte Figurationen, Wilhelm Hardts surreale Plastiken oder Manfred Funkes kinetische Plastiken.

Reizvoll auch die Licht-Welt-Werkstatt von Marina Greis im Schloss-Keller mit skurrilen Licht- und Schattenspielen um Skulpturen und Wandobjekte. Klassischer wirken Andrea Pflefkas schwebende Aquarelle und Gouachen zu Gefühltem wie Gesehenem, Lucie Heirichs unmanipulierte Analog-Fotos, Jutta Hingsts filigrane Tier-Radierungen und Janine Bruchets „französische“ Mainlandschaften. Im Mausoleum dann Archaisches bei von Peter Jakubowski arrangierten Plastiken Drei- bis Sechsjähriger zum Motto „ICH, wenn ich groß bin“.

  • Rumpenheimer Kunsttage“, Rundgang am Samstag von 14-19 Uhr, am Sonntag von 12-18 Uhr; Ouvertüre heute um 19 Uhr. Die Ausstellung in der Schlosskirche ist bis 23. September geöffnet, und zwar wochentags von 15-17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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