Viele Zeilen führen durch Rom

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Rom, wie es nicht im Reiseführer steht, erschließt Kerstin Appelshäuser-Walter in ihrer Vortragsreihe „Inschriften in Rom“ im Klingspormuseum Offenbach.

Offenbach - „Denn es geht ein neues Leben an, wenn man das Ganze mit Augen sieht, das man teilweise in- und auswendig kennt.“ Goethe war begeistert von Rom. Ob er durchschaute, wie Kaiser und Päpste sich der Stadt bemächtigt hatten, um ihre Interessen zu wahren? Von Stefan Soltek

Rom, wie es nicht im Reiseführer steht, erschließt Kerstin Appelshäuser-Walter in ihrer Vortragsreihe „Inschriften in Rom“ im Klingspormuseum Offenbach. In vier Darstellungen geht es der Kunsthistorikerin, die für ihre Dissertation in Rom gearbeitet hat, weniger um Form, sondern um Inhalte; um die politische Relevanz von Bauten namhafter Potentaten von der Antike bis zum Barock. Auf dem Kapitol und an den Triumphbögen der Kaiser Titus und Konstantin setzen Inschriften Machtzeichen.

Auf den Bögen annoncieren Senat und Volk Roms ihre Hoheit, den Kaisern zu huldigen. Durch den Bogen zu schreiten, wurde als Symbol der Reinigung von Krieg, Tod und Blut gesehen. In diesem Sinn nutzte der Papst der Gegenreformation Paul III. die antiken Triumphbögen. Mit den Farnesischen Gärten am Palatin kombinierte er sie zur Frieden verheißenden Achse, der sogenannten Via Papalis.

Eine ähnliche Situation des Ein- und Übergangs schildert die Referentin am Kopf der Brücke, die auf die Engelsburg führt. Die Inschriften auf beiden Seiten, zu Füßen von Figuren der Apostel Petrus und Paulus, besagen die Macht des Papstes (Clemens VII., Anfang 16. Jahrhundert) über Gnade oder Vergeltung. Auch die Kolonnaden vor St. Peter, die Gian Lorenzo Bernini Mitte des 17. Jahrhunderts im Auftrag von Papst Alexander VII. schuf, werden inschriftlich ausgedeutet. Sie lesen sich als Passionsweg Jesu und als Läuterungsweg der Christenheit, an deren Spitze sich der Papst machtvoll in Szene setzt.

Der letzte Vortrag (heute, 19 Uhr) beleuchtet die Marienkirchen in Trastevere und in Campitelli, SS Cosma e Damiano und S. Clemente. Appelshäuser-Walter entdeckt sie als Wegweiser in den himmlischen Paradiesgarten.

Deutlich wird, wie Päpste in Renaissance und Barock auf die topografischen und baulichen Vorgaben der Antike zurückgreifen, um durch Erweiterungen und In-Bezug-Setzungen die Macht und die Ausstrahlung der christlichen Kirche in Folge und in Überhöhung des antiken Herrschaftswesens ins Stadtbild einzuschreiben. Das wörtliche Bekenntnis, in Inschriften vorgestellt, trägt zu dieser strategischen Ausrichtung der Bauwerke bei. Die vielfachen Bezüge auf die aus der Vita Christi abgeleitete Theologie untermauern den hegemonialen Anspruch der Nachfolge Christi, die sich mit dem Amt des Pontifex verbindet.

Quelle: op-online.de

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