Die vielen Seiten des Humoristen

Auf den Tag genau 100 Jahre und 22 Tage wäre Heinz Erhardt am 15. März dieses Jahres geworden – Grund genug für Frank Sauer, Günter Fortmeier und Volkmar Staub mit einer großen Erhardt-Show an den schlagfertigen Humoristen zu erinnern, der noch heute als Inbegriff des Wirtschaftswunders und zweitbester deutscher Komiker gilt.

Die musikalisch-literarische Revue „Heinz lebt!“ im Offenbacher Büsingpalais erinnerte in witzigen Vierzeilern, tiefsinnigen Bonmots und typischen Kalauern an den Künstler.

Die drei Schauspieler und Musiker – „es wird jeden Tag so viel Blödsinn in der Welt hergestellt, da können wir uns auch mal herstellen“ – rezitieren nicht nur mindestens drei Erhardts pro Minute. Sie lassen den TV-erprobten Nachkriegskomiker mit viel Spaß am Spiel wieder auferstehen – nicht ohne sich freilich die Frage zu stellen: „War Heinz Erhardt nun ein ganzdeutscher Dichter oder eher ein nicht ganz dichter Deutscher?“

Klassiker aus der Erhardtschen Reimwerkstatt wie „Das Nasshorn“, „Betriebsausflug“ oder „Die Weihnachtsgans“ reihen sich an Szenen, in denen das – stilecht mit dickem schwarzem Kassengestell geschmückte – Trio nicht nur Erhardts feinen Sinn für Wortspiele, sondern auch die eigene Schauspielkunst beweisen kann, und Günter Fortmeier obendrein, dass in ihm ein begnadeter Handpuppenspieler und Bauchredner steckt. Da gibt sich Frank Sauer mit güldenem Krönchen majestätisch, parodiert Fortmeier Goethes „Erlkönig“, und wenn Staub und Sauer in herrlicher Ernsthaftigkeit die griechische Mythologie – „Menelaos schiffte bis Kreta“ – diskutieren, dann geht das zwar so manches Mal sehr tief unter die Gürtellinie, sorgt aber für lautes Gelächter.

Und auch zu lernen gibt es für die ob des temporeichen Spaßes begeisterten Zuschauer mehr als genug. Dass die Weihnachtsgans wegen ihrer „Truhenhaftigkeit“ zu den Kaltblütern zählt, zum Beispiel, aber auch, dass Kühe und Klimakatastrophe viel mehr miteinander zu tun haben, als man gemeinhin annehmen würde.

Geistreiche Kalauer, lustige Limericks, ein Schlager hier, ein Spottgedicht dort, und immer wieder herrlich tiefsinnige Wortspiele – der Erhardt-Abend von Sauer, Staub und Fortmeier kennt viele Tonarten und kommt mal mit deftigen Stammtischwitzen und dann wieder beinahe philosophisch daher. „Heinz lebt!“ ist eine mit lockerer Hand inszenierte tiefe Verbeugung vor einem großen Unterhaltungskünstler, zugleich eine bis ins Detail ausgeklügelte Gag-Dramaturgie, in der drei Bühnenprofis viel Gelegenheit haben, ihr Können zu beweisen. MAREN CORNILS

Quelle: op-online.de

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