In der Hitze der Hormone

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Junge Frau (Susanne Eisenkolb), Hausfrau (Angelika Mann), Karrierefrau (Dagmar Hurtak-Beckmann) und Vornehme (Inez Timmer).

Frankfurt - 60 Prozent der Frauen in den Wechseljahren klagen über psychische Instabilität und geistige Erschöpfung. Und über verstärkte Gewichtszunahme. Ja, solch deprimierende Botschaften kommen auch über die Rampe. Trotzdem ist es ein vergnüglicher Abend. Von Markus Terharn

Im Fritz-Rémond-Theater Frankfurt macht ein hinreißendes Damenquartett Tilmann von Blombergs peppig-poppiges Musical „Heiße Zeiten Wechseljahre“ zum Genuss. Und beschert Zuschauerinnen das tröstliche Fazit: Klimakterium bedeutet mehr als Haarausfall, Depressionen und „Brigitte Woman“. Starker Beifall für eine flotte Inszenierung.

Da ist die Karrierefrau im Bürokostüm, 54, ledig, sexhungrig. Die Vornehme im Chanelfummel, 57, reich verheiratet, aber unfroh. Die Hausfrau, 55, verheiratet, doch lediglich kinderreich. Und die Junge, 42, verlobt, mit unerfülltem Kinderwunsch. Das Publikum lernt sie am Abfertigungsschalter des Flughafens kennen, während sich der Start der Maschine nach New York ein ums andere Mal verzögert.

So kommen sie ins Gespräch, oder besser ins Singen. Ein Sammelsurium internationaler Hits hat Bärbel Arenz mit pfiffigen deutschen Texten neu unterlegt. Da wird „Stand By Your Man“ zu „Steh deinen Mann“. Zur Melodie von „Amarillo“ werden die Wechseljahre beschworen als „Zeit, die mich befreit“. „Pretty Woman“ mutiert zu „Busy Woman“ und „It’s Raining Men“ zu „Jetzt oder nie“. Und die – unvermeidliche – Hymne „I Will Survive“ verwandelt sich in ein aufbruchfreudiges „Wir heben ab“.

Worüber reden Frauen?

Worüber reden Frauen? Das Stück bedient Klischees: Schönheit, Ernährung, Männer, Kinder. Es tut das indes mit Witz und nicht ohne Tiefgang; schleppen doch die Vier je ein Problem mit sich herum. Die selbstbewusste, attraktive Erfolgsfrau kriegt zwar jeden Kerl ins Bett, ist aber privat einsam und steht im Beruf unter Druck. Die Edeltussi wirkt verbittert und leidet unter ihrem alten Vater. Die dreifache Mutter hat für ihre Familie eigene Träume aufgegeben und daheim einen Gatten, der allein kaum lebensfähig ist. Und die hübsche Blonde mit Torschlusspanik hat einen zeugungsunfähigen Partner...

Die Besetzung überzeugt darstellerisch wie musikalisch. Inez Timmer ringt der fast tragischen Partie der ewigen Tochter einige umwerfend komische Momente ab. Stimmlich gefällt vor allem Susanne Eisenkolb (alternierend mit Nicole Rößler) als Paarungswillige mit hysterischen Heulkrämpfen. Als handfeste Type punktet Angelika Mann mit Bodenständigkeit und Mutterwitz. Unter perfekter Oberfläche lässt Dagmar Hurtak-Beckmann auch Verletzlichkeit durchscheinen.

Die muntere Riege in Bewegung

Regisseurin Katja Wolff und Choreografin Betty Dir halten die muntere Riege in Bewegung. Die Bandbreite der Ideen reicht von „Fit for Flight“-Aerobic bis zur Pantomime und schließt die Nutzung von Schirmen als Mikros ebenso ein wie eine Mobiltelefon-Kakophonie oder vier verschiedene Arten, ein Eis zu schlecken. Werbespots per Lautsprecher sorgen für akustische, Video-Einspieler für optische Auflockerung. Leider fällt die Spannungskurve nach der Pause leicht ab.

In Susanne Füllers schicker Kulisse sind die Figuren durch Heike Seidlers Kostüme klar charakterisiert. Eine gute Figur macht auch die als Bodenpersonal verkleidete Liveband: Leitung/Keyboard Maria Baptist/Doro Gehr, Gitarre Katrin Schüler-Springorum, Bass Maike Scheel, Schlagzeug/Ansage Karoline Körbel. Hin!

Auf dem Spielplan bis zum 26. Februar.

Quelle: op-online.de

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