Violetta stiehlt allen die Schau

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Nicht nur optischer Farbtupfer der Turiner Oper: Irina Lungu als Kameliendame.

Wiesbaden - Ein Hauch von Regietheater zunächst: Der rote Vorhang im Wiesbadener Staatstheater ist geöffnet, zum Streicherflirren von Giuseppe Verdis „Traviata“-Vorspiel schreitet ein Trauerzug über die Bühne. Es herrscht Grabesstimmung zwischen dunklen Quadern. Von Axel Zibulski

Als Rückblick erzählt Regisseur Laurent Pelly die Geschichte um die beliebte Opern-Kurtisane, aus dem Roman von Alexandre Dumas dem Jüngeren auch als „Kameliendame“ bekannt.

Dieser Regie-Zugriff ist keineswegs selbstverständlich. Schließlich ist das Teatro Regio Torino über die Alpen nach Wiesbaden gereist, und von italienischen Opernbühnen hat das Publikum in den Vorjahren manches Kostümfest samt Rampensingen gesehen.

Freilich: An Dekoration und Ausstattung spart auch Laurent Pelly in seiner Inszenierung, einer Koproduktion der Turiner Theaters mit der Santa Fe Opera, nicht. Aber der Pomp gerät dort, wo er herrscht, werkdienlich, beim trinkliedbesungenen Fest des ersten Aufzugs etwa, in das Sopranistin Irina Lungu mit einem entfesselten Aufschrei startet. Und damit zugleich deutlich macht, dass sie bei diesem Gastspiel vokal alle anderen in den Schatten stellen wird.

Denn Irina Lungu als Kameliendame Violetta war es vor allem, die aus diesem einzigen großen Operngastspiel im diesjährigen Programm der Maifestspiele ein vokales Fest machte: Dramatische Durchschlagskraft, federleichte Koloraturen und ein berückend feines Piano in der Sterbeszene sorgten für jenen Gala-Glanz, den Tenor Stefano Secco so gar nicht verströmen mochte. Sein Alfredo klang schmal, forciert und unscharf in der Intonation. Franco Vassallo als sein Vater Giorgio Germont brachte immerhin einen charakteristischen, balsamisch-dunklen und geschmeidigen Bariton ein.

Aus dem Graben steuerte das Opernorchester aus Turin unter der Leitung von Dirigent Marco Armiliato einen kräftig-schmissigen Verdi bei, der eher auf breite als auf feine Stimmungslinien ausgerichtet war und manchmal recht freizügig in der Abstimmung mit dem Chor blieb. Der Begeisterung des Wiesbadener Publikums nahm das nichts, das am Ende der Maifestspiele das Turiner Opernensemble uneingeschränkt feierte.

Quelle: op-online.de

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