Impressionist Philipp Franck im Frankfurter Museum Giersch

Virtuose des Lichts

Inbegriff der Weite: Philipp Francks „Blick über Kronberg in die Mainebene“ (1916)

Beim Kunstbegriff „Impressionismus“ denkt man zuerst an die großen Franzosen. Es gibt aber auch einen vitalen „deutschen Impressionismus“, der vor und um 1900 mit dichter malerischer Textur begeistert, ohne die Auflösung der Form durch die Farbe so radikal mitzugehen – eine Art „naturalistischer Impressionismus“. Ein beispielhafter Protagonist dieser Kunstauffassung war der vor 150 Jahren in Frankfurt geborene Maler Philipp Franck (1860-1944), dem man im Museum Giersch eine verdiente Retrospektive widmet.

Beim Gang durch die Villa am Schaumainkai kann man Francks Lebensweg mitgehen, vom Studium an der Städelschule und der Düsseldorfer Akademie, als Professor und Direktor der Königlichen Kunstschule in Berlin und als Mitbegründer der „Berliner Secession“ bis hin zum Villendomizil am Wannsee und schönen Malreisen nach Italien, Rügen und den Taunus.

Nach traditionelleren Ansichten von Kronberg (1878/79) und Genrebildern wie „Lautenständchen“ bricht Franck zu neuen Ufern auf. Dafür stehen sonnendurchflutete Landschaften wie „Frühling“, „Fischerboote auf Rügen“, „Am Strande“ und „Fliederbusch“ (1893-95). Von warmfarbigen Ölbildern wie „Herbststimmung an einem märkischen See“ geht große Ruhe aus. Um 1900 folgt Franck Vorbildern wie Max Liebermann in der Darstellung des Menschen bei der Arbeit.

In Francks Sommerbildern von 1910 steigert sich das zu beeindruckendem Farbenrausch. Gemälde wie „Rosengarten“ und „Gartenweg mit Phloxbeet“ erfreuen Kunst- wie Gartenfreunde, die blumengeschmückte „Kaffeetafel“ von 1915 wirkt, mitten im Ersten Weltkrieg, wie eine Einladung an den Betrachter. Nach 1918 setzt sich das übergangslos in schwelgerischen Bildern wie „Kornfeld im Taunus“, „Wannseegarten“ und malerisch delikatem „Sommerblumenstrauß mit Quitten“ fort.

Wie sich der täglich im Freien arbeitende Maler freigemalt hat, ist auch an Aquarellen wie „Comer See“, „Canale Grande“ und „Haus unter Pinien“ aus den 20ern und 30ern zu verfolgen. Mit flinker Hand aquarellierte Motive wie „Alt Frankfurt“, „Blick auf Potsdam“ und „Brücke in Bamberg“ profitierten von Francks italienischen Reisen und deren südlichem Licht. Auch Francks Spätwerk mit stimmungsvollen Park- und Waldansichten sowie seine Suiten sinnenfroher Radierungen und Lithographien belegen, dass man hier einen großen Maler und Zeichner fast vergessen hatte.

REINHOLD GRIES

P„Vom Taunus zum Wannsee – Der Maler Philipp Franck“ bis 18. Juli im Museum Giersch, Schaumainkai. Geöffnet: Dienstag bis Donnerstag von 12 bis 19 Uhr, Freitag 12 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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