Virtuose witziger Selbstzitate

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Helge Schneider präsentiert sein neues Programm „Buxe voll!“ in der Frankfurter Alten Oper.

Schon lange praktiziert Helge Schneider die Kunst des variierenden Selbstzitats. Auf seiner derzeitigen Tournee führt er wieder seine wohlvertraute Truppe mit sich, darunter den im Barockstil kostümierten Teebutler Bodo Oesterling. Von Stefan Michalzik

Schneiders Bühnen-Ich scheucht ihn nicht mehr so harsch wie einst herum und knallt die Tasse nicht mehr derart heftig aufs Silbertablett, dass die Untertasse zerbirst. Dafür salbadert er von Holztee, der in Wahrheit aus Laminat geraspelt sei.

In bekannter Manier spielt Schneider, der mit seinem Programm „Buxe voll!“ in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper gastiert, auf das methusalemische Alter seines Bassisten an und parodiert Udo Lindenberg. Er tritt im eleganten schwarzen Anzug mit Krawatte und rotem Einstecktuch auf. Später streift er eine seiner grotesken Perücken aus alten Zeiten über und verfällt kurz in die quäkende Gebissträgerstimme, die zu seiner Bühnenfigur gehörte.

Im Kern handelt es sich um eine Golden-Oldie-Revue

Ewig die gleichen Witzeleien, könnte man sagen. Das wäre aber nur die halbe Wahrheit. Schneider zitiert sich mit der beiläufigen Lässigkeit kurzer Anspielungen. Wichtig ist: Er bleibt dabei witzig. Jedenfalls für alle, die ihn witzig finden. Schneider ist bekanntlich ein Komiker, der mehr als andere spaltet. Vielen bleibt sein Humor fremd; sie finden ihn albern.

Im Kern handelt es sich um eine Golden-Oldie-Revue nach Art von Helge Schneider. Selbstzitate liebt er, Selbstwiederholung weniger. Auf die Melodien von Songs wie „Texas“, „Kleiner Meisenmann“, „Buttersong“ und anderen singt er neue, aus improvisatorischem Geist geborene Texte. Seine Schlagerparodie „100 000 Rosen“ schmalzt er baritonal. Beim Flamenco klemmt er sich die Finger unter Schmerzensgeschrei im Schallloch der Gitarre ein. Und die Polargeschichte aus seinem aberwitzigen Expeditionsroman „Globus Dei“ trägt er als Hörspiel vor.

Wechsel zwischen Klavier, Hammondorgel und Trompete

Die Verbindung zu Samuel Beckett und zum absurden Theater, aus Schneiders Umgang mit der Zeit erwachsen, ist geschwunden. Im Vergleich zu der Radikalkomik seiner frühen Tage erscheint der 55-jährige altersmilde. Im Wechsel zwischen Klavier, Hammondorgel und Trompete jazzt er gern mit seiner famosen, mit Sandro Giampietro an der Gitarre, Rudi Olbrich am Kontrabass und neuerlich Willy Ketzer am Schlagzeug besetzten Band – und macht sich einen gemütlichen Abend mit dem Publikum. Das bleibt übrigens ungeachtet des Rosenmontags (von wenigen Ausnahmen abgesehen) Verkleidungen abhold. Um Humor geht es hier wie dort, doch bei Schneider wird immer noch anders gelacht als im Karneval.

Wohlgemerkt handelt es sich beileibe nicht um die großartigste Show, die von Schneider je zu sehen gewesen ist. Doch selbst ein mittelprächtiger Abend mit ihm ist immer noch amüsant – womit er vielen anderen Humorschaffenden in Deutschland um Längen voraus ist...

Quelle: op-online.de

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