Vokale Sterne am Firmament

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Prominenter Star der Mühlheimer Opernacht: Sopranistin Deborah Sasson

Nessun dorma, niemand schlafe – wenn Mühlheim zur Opernnacht ruft. Die vielen Besucher auf dem Festplatz neben der Willy-Brandt-Halle bekamen jene musikalische Italianità geboten, die ihnen Ilona Goldmann-Schönig im Namen der Veranstaltergemeinschaft aus Darmstädter Residenzfestspielen und Markwaldtheater Mühlheim versprochen hatte. Von Eberhard Mittwich

Die Sterne leuchteten nicht nur am Abendhimmel, sondern neben den instrumentalen der von Wolfgang Seeliger präzise geleiteten Darmstädter Hofkapelle auch die vokalen des Projektchors Mühlheim, der, wie auch die Hofkapelle, seit Anbeginn die Opernnächte gestaltet.

Aber natürlich waren die Solisten die Hauptattraktion, an der Spitze Deborah Sasson, die Sopranistin aus Boston, seit 1979 in Europa, als sie in dem Musical „Westside Story“ ihres Förderers Leonard Bernstein an der Hamburgischen Staatsoper debütierte und nach einigen künstlerischen Zwischenstationen in Bayreuth als Blumenmädchen im „Parsifal“ der Achtziger Jahre Aufsehen erregte. Zweifellos weniger als Sängerin, denn als Muse des seinerzeit als Siegmund gefeierten Peter Hofmann, der sie 1983 mitten in der Festspielzeit heiratete. Die Mühlheimer Freunde brachten ihr sogar ein spontanes „Happy Birthday“ dar, nachdem sie den privaten Festtag öffentlich gemacht hatte.

Mit ihr auf der Bühne waren zu sehen und zu hören die Offenbacher Nachwuchssängerin Virginia Goldmann, zur Zeit als jugendlicher Sopran am Staatstheater Darmstadt und in dessen Opernchor engagiert, und der niederländische lyrische Tenor Robert Schwarts, auch er ebenso im Opern- wie im Operetten- und Musical-Fach künstlerisch zu Hause.

Servierte Mischung hat gemundet

Sie alle begeisterten das gelegentliche Schwächen gut gelaunt überhörende Publikum mit einem vorwiegend italienisch akzentuierten Programm, dessen Hauptingredienzen Verdi und Puccini sowie die amerikanischen Komponisten George Gershwin und vor allem Leonard Bernstein waren, arrangiert zu einem für aufnahmefreudige Sinne wohlschmeckenden Menü.

Auch ohne Solisten konnte die Opernnacht bestehen, wie Chor und Orchester mit Ouvertüre und Jägerchor aus Rossinis „Guglielmo Tell“ eindrucksvoll bewiesen. Der italienische Wilhelm Tell stand zugleich für die an mehreren Programmbeispielen verwirklichte Grundidee der Veranstalter, als Opern vertonte Bühnenwerke Friedrich Schillers aufzuführen. Die servierte Mischung hat gemundet, und bestimmt hat die berühmte Arie des Prinzen Kalaf „Nessun dorma, niemand schlafe“ niemanden vom Einschlafen abhalten müssen. Bekanntlich erleben Kalaf und die Prinzessin Turandot in Puccinis letztem (unvollendeten) Werk schließlich ein glückliches Ende: Die verhängnisvollen Rätsel sind gelöst, und Kalafs Herkunft bleibt der nicht mehr lange Grausamen bis zuletzt verborgen. Ende gut, alles gut!

Hellwach verfolgte das Publikum den lange währenden Abend und genoss so auch den tenoralen Aufruf kurz vor dem Programmende, dem noch etliche Zugaben folgten, bis ein fulminantes Feuerwerk am beinahe mitternächtlichen Himmel die Italienische Opernnacht 2009 optisch-kulinarisch abschloss.

Quelle: op-online.de

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