Als Vorleser eingegroovt

Autor Martell Beigang mit seinem berühmten Vorleser Sasha und Martells Bandkollegen Tim Talent.

„Ich oute mich sehr gern als bekennender Nicht-Leser“, sagt Sasha und lacht so gar nicht peinlich berührt. Da ist selbst Roger Willemsen machtlos – bei jeder Begegnung versuchte der Schriftsteller dem 38-jährigen Popsänger ein Buch anzudrehen. Von Kathrin Rosendorff

Aber nur zwei Autoren konnten Sasha bislang überzeugen – einmal der berühmte John Irving, von dem er fast alle Bücher besitzt, zum anderen der wenig bekannte Martell Beigang. Der 41-jährige Musiker, der Pop wie Jazz spielt, ist Sa shas Kumpel, seit er vor fünf Jahren mit dessen Alter Ego Dick Brave den Rockabilly wiederbelebte.

„Unverarschbar“ heißt Beigangs erster Roman, eine lustige Abrechnung mit dem Musikgeschäft: Protagonist Ben, ein Bassist ohne Band, verachtet kommerzielle Musik und glaubt, dass jeden Moment die abendländische Musikkultur untergeht – bei all den singenden Soapstars...

Sasha hat das Hörbuch eingesprochen und geht mit Martell auf Lesetour. „Am Anfang war ich sehr nervös, vor Publikum zu lesen, aber irgendwann habe ich mich eingegroovt“, erzählt der sympathische Sänger. „Ich musste mich wirklich einarbeiten, bis ich die verschachtelten Sätze vernünftig darbieten konnte.“ Martell sagt: „Ich hätte mich ein bisschen geniert, den einzigen Popstar, den ich kenne, zu fragen.“ Dann erzählt er: „Letztes Jahr las ich in so einem alternativen Hamburger Schuppen, da waren vielleicht 20 Zuhörer, darunter Sasha. Er sagte: Das würde ich auch gern mal machen.“

Mit offenem Hosenstall gesungen

Dabei konnte Beigang sich anfangs Sasha gar nicht so gut als Vorleser seines Romans vorstellen. „Ich war mir nicht sicher, wie ihm der Text stehen würde, weil Sasha wirklich in einer ganz anderen Welt lebt als der erfolglose Ben. Er hat sich aber wahnsinnig gut eingefühlt. Und er besitzt das Talent, verschiedene Stimmen nachzumachen.“

Meine Identifikation mit der Rolle passiert über Martell, weil viel von ihm in Ben steckt“, erzählt Sasha. Und er fügt hinzu: „Man kennt mich als erfolgreichen Musiker. Dass ich aber zehn Jahre erfolglos war und auch nicht verstanden habe, warum meine Band weniger Platten verkauft als so ’ne blöde Chartgruppe, wissen die wenigsten.“

Es gibt weitere Parallelen. In „Unverarschbar“ streckt der Keyboarder ungeschickterweise sein „Maurer-Dekolleté“ dem Publikum entgegen. Auch Sasha weiß aus zwanzig Bühnenjahren Peinliches zu berichten: „Einmal habe ich drei Lieder lang mit offenem Hosenstall gesungen. Die Fans zeigten darauf, aber ich dachte, sie deuten auf meinen sexy Hüftschwung.“ Mit Ben teilt der Wieder-Single auch die Meinung über den Musikgeschmack von Frauen. „Wenn eine sagt, sie steht auf Dieter Bohlen, müsste ich sie stehen lassen.“

Martell Beigang und Sasha lesen am 18. Februar, 20 Uhr, in der Neuen Stadthalle Langen.

Für Sasha selbst steht eine musikalische Kreativpause an. „Ich habe mir viel freigenommen, um in Ruhe zu schreiben.“ Vielleicht kehrt Dick Brave sogar zurück. „Wichtig ist, dass Dick Brave genauso von Herzen kommt wie beim ersten Mal. Es darf kein kommerzieller Grund dahinter stecken.“ Bei der Lesung singen nur Beigang und seine Band „Hallo*Erde“. Sasha genießt seine Rolle: „Das ist so eine nette Wohnzimmeratmosphäre. Und es gibt eine Talkrunde mit dem Publikum. Das resultiert in einem sehr lockeren Abend.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare