Desiree Nick in Frankfurter „Käs“ auf Streit gebürstet

Vorzeitiger Vorhang

Frankfurt - Die 25 Jahre Bühnenarbeit sieht man Desiree Nick nicht an. Ganz im Gegenteil: Der Berliner Kabarettistin, Dschungelcamp-Bewohnerin und Schwulen-Ikone übt sich in ihrem neuen Programm, „Ein Mädchen aus dem Volk“, in der Kunst der Publikumsbeschimpfung. Von Maren Cornils

Kein Pardon für niemand scheint das Motto der 55-Jährigen zu lauten, was nicht nur die Gäste in der ersten Reihe der Frankfurter „Käs“ zu spüren bekommen.

Als sich der Vorhang öffnet, gibt die Nick jedoch erst einmal die Diva: In weißem Trenchcoat mit Kopftuch und Schmetterlingsbrille erweist sie sich in „Es könnte so viel schlimmer sein“ stimmlich als Imitation der Knef. Kaum, dass der letzte Akkord erklungen ist, nimmt sie ihr Publikum aufs Korn, was prompt in einer Privatfehde ausartet.

Doch es kommt noch besser. Nach Songs wie „Ich hab so nen Appetit auf ne Bulette“, in dem sie die fleischeslustige Berliner Göre gibt, und „Ich bin ein Mädchen aus dem Volke“ segnet der Goldlamettavorhang das Zeitliche. Zweimal verlässt die Nick polternd die Bühne, beim zweiten Mal mit der Drohung, nicht mehr aufzutreten, sollte der Vorhang nicht schleunigst repariert werden – fünf Minuten später hängt der Vorhang schiefer als zuvor, und eine Furie reißt die letzten Reste herunter.

Die zur Torten-Arie kredenzte Sahnespeise landet größtenteils im Publikum, und das so absichtlich wie treffsicher. Während die erste Reihe dies mit einem hilflosen Lachen über sich ergehen lässt, ziehen drei Gäste unter lautstarkem Protest aus.

Zwar hat Desiree Nick den ein oder anderen guten Gag parat und beherrscht nach wie vor den Flirt mit dem männlichen Teil des Publikums, ihr Zynismus aber lässt einem so manches Mal das Grinsen im Gesicht gefrieren. Desiree Nick mag sich Provokation und Grenzüberschreitung auf die Fahnen geschrieben haben – an diesem Abend beweist sie lediglich, dass es viel leichter ist, über andere als über sich selbst zu lachen.

Quelle: op-online.de

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