Wahnsinniger Familienalltag

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Jan Weiler, der mit „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und der Fortsetzung „Antonio im Wunderland“ ganz oben in den deutschen Bestsellerlisten landete, kommt im schwarzen Pulli, mit Pennälerbrille und lässigem Igelschnitt in die Frankfurter Käs.

Frankfurt - Zu Kopf gestiegen ist ihm der Erfolg nicht. Jan Weiler, der mit „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und der Fortsetzung „Antonio im Wunderland“ ganz oben in den deutschen Bestsellerlisten landete, kommt im schwarzen Pulli, mit Pennälerbrille und lässigem Igelschnitt in die Frankfurter Käs. Von Maren Cornils

Er sieht irgendwie aus, als habe er gerade noch in der Universität gesessen – wohltuend normal, absolut durchschnittlich, dafür aber auf Anhieb sympathisch. Dabei versteht es der Wahlbayer mit den Düsseldorfer Wurzeln mit spitzer Feder, feiner Ironie und treffsicheren Pointen über die kleinen Schwächen und Laster seiner Mitmenschen zu spotten wie vor ihm nur ein Ephraim Kishon oder ein Axel Hacke.

In sorgsam ausformulierten und irrwitzig komponierten Episoden nimmt der ehemalige Werbetexter gesellschaftliche Auswüchse wie den Trend zu grauenhaften Dreifachnamen aufs Korn. Nicht nur Eltern lieben Weilers vom „Stern“ in die „Welt am Sonntag“ gewanderte Kolumne „Mein Leben als Mensch“, weil er darin über all das schreibt, womit auch sie täglich zu kämpfen haben: pubertierende Teenager, krawallige Kleinkinder, nervige Schwiegereltern und überambitionierte Mütter angeblich hochbegabter Dreikäsehochs. Jan Weiler schreibt über den ganz normalen Wahnsinn namens Familienleben, und das ziemlich erfolgreich.

Bevor er mit seiner Lesung loslegt, macht er seinem Publikum aber ein Geständnis: Als Bahn-Fan sammele er Bahnhofsdurchsagen. Die schönsten davon hat Weiler natürlich im Gepäck, und so beginnt der Abend statt mit Antonio, Sara und Co. mit ein paar unfreiwillig komischen Sprüchen aus der Weilerschen DB-Sammlung.

Eine perfekte Überleitung zum eigentlichen Programm – den Geschichten aus dem Weiler-Clan. In seinen Anekdoten gelingt ihm ein logisch anmutender Bogenschlag von der immer langsamer werdenden Erdrotation über Heidi Klums Model-Zirkus bis hin zu Karl May. Antonio darf da nicht fehlen, dem radebrechenden und schlitzohrigen Italiener hat Weiler schließlich einige seiner besten Geschichten zu verdanken. Er zelebriert die hohe Kunst, das Komische im Alltäglichen zu erkennen – und mit wohl gesetzten Worten virtuos auf den Punkt zu bringen.

Quelle: op-online.de

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