Wahrhaft freier Mann

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Tomi Ungerer bei der Arbeit

Frankfurt - Er nennt sich selbst „Aufzeichner“, weil er die Bezeichnung „Cartoonist“ nicht mag. Er ist ein „Kenntnissammler“, mit scharfem Verstand gesegnet und stets bemüht, die Verhältnismäßigkeit im Blick zu behalten. „Alles ist relativ“, sagt Tomi Ungerer. Von Christian Riethmüller

„Für die Ameise ist die Wasserlache ein See. “.

Auch dank seines nie versiegenden Willens, neue Erkenntnisse zu gewinnen, ist der am 28. November 1931 in Straßburg geborene Ungerer zu einem der bedeutendsten Illustratoren unserer Zeit geworden, preisgekrönt und weltberühmt. Vor allem aber ist er ein wahrhaft freier Mann. Diesen Eindruck vermittelte der 80-jährige Künstler am Dienstag in Frankfurt, wo nun im Caricatura Museum für Komische Kunst eine Ausstellung mit satirischen und komischen Zeichnungen Ungerers zu sehen ist.

Werk ohne Titel, bisher unveröffentlicht

Freiheit bedeutet nicht nur die materielle Sorgenlosigkeit des erfolgreichen Künstlers, sondern in Ungerers Fall auch die Rückgewinnung seiner Produktivität nach schweren gesundheitlichen Problemen. Vor allem aber ist Ungerer so frei, alles sagen, alles schreiben und alles zeichnen zu können, was er für richtig hält. Dafür wird er schon längst nicht mehr zensiert oder vom FBI beobachtet wie in den Jahren als er in den USA lebte, sondern gefeiert. In Frankreich etwa ist er der einzige lebende Künstler, dem ein eigenes Museum gewidmet ist.

Das im Jahr 2007 als dauerhafte Stätte eingerichtete Musée Tomi Ungerer in Straßburg nennt etwa 11.000 Werke des auf über 40.000 Arbeiten geschätzten bisherigen Lebenswerks des Zeichners sein eigen und hat nun auch die Frankfurter Ausstellung bestückt. Deren Umfang mit gut 170 Zeichnungen und einigen der legendären Anti-Rassismus- und Anti-Vietnamkrieg-Plakate aus den 1960er Jahren mag vergleichsweise bescheiden erscheinen, doch sind „im schönsten Museum der Welt“ (Caricatura-Chef Achim Frenz) dafür fünfzig bisher unveröffentlichte und noch niemals ausgestellte Zeichnungen Ungerers zu sehen.

Die Ausstellung „Tomi Ungerer Satiricon“ wird heute um 18 Uhr im Beisein des Künstlers eröffnet. Das Grußwort spricht der frühere französische Kulturminister Jack Lang. Die Schau ist bis zum 18. März 2012 im Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt, Weckmarkt 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 21 Uhr

Wie Kurator Bernd Fritz gestern sagte, will die Ausstellung „Satiricon“ versuchen, die immense Spannbreite von Ungerers Werk zu zeigen, der Kinderbücher illustriert, Werbefiguren konzipiert, Filmplakate entworfen und vor allem stets das Unerwartete gezeichnet hat. Dazu gehört auch „Kamasutra der Frösche“, seine berühmte Parodie auf die Sexwelle der 1960er- und 1970er Jahre, von der auch unveröffentlichte Blätter gezeigt werden. Frech, komisch, spaßig, aber auch gallig, böse, finster - die Schau führt Ungerers verschiedene Blickwinkel auf eine Welt vor, die er sehr liebt. Sonst würde er nicht mit solcher drastischen Macht auf sie reagieren.

Quelle: op-online.de

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