Warum Denken mehr bringt als Kühlschrank-Esoterik

Nach seinem Erfolg „Urknaller - Physik ist sexy!“ tourt der Physiker, Wissenschafts-Kabarettist und Wahl-Frankfurter Vince Ebert mit seinem aktuellen Programm „Denken lohnt sich“ durch die Nation. Bekannt aus TV und Radio vertritt der gebürtige Franke eine gewagte These. Selbst denken soll sich noch lohnen. Umso erstaunlicher, warum es viele so selten tun. Wer wissen will, ob es einen statistischen Zusammenhang zwischen Scheidungs- und Mülltrennungsraten gibt, was die Heisenbergsche Unschärferelation mit der Großen Koalition zu tun hat oder ob Hamster in einer Mikrowelle ein erhöhtes Krebsrisiko haben, sollte am Mittwoch, 21. Januar, ins Offenbacher Capitol kommen. Volontärin Sabine Simon sprach mit Vince Ebert über Karriere, Bier im Kühlschrank, Offenbacher und sein neues Buch.

Mit „Physik ist sexy“ haben Sie sich bereits einen Namen gemacht. Was können wir in ihrem Programm „Denken lohnt sich“ erwarten?

Ich versuche die größten Denkfehler aufzudecken. Und die haben Humorpotenzial. Was ist Denken? Wie hat es sich entwickelt? Und warum tun wir uns so schwer damit? Ich versuche zu erklären, dass Menschen unterschiedlich denken. Der Lottospieler denkt: „Die Chance auf den Hauptgewinn beträgt 1:14 Millionen – es könnte mich treffen!“ Der Raucher dagegen: „Die Chance für Lungenkrebs beträgt 1:1000 – warum sollte es mich treffen?“

Welche Denkfehler gibt es noch?

Es gibt unterschiedliche Denkstrategien. Das erkläre ich mit einem gelben Kühlschrank. Wenn ich vermute „Im Kühlschrank könnte noch Bier sein ...“ und ich gucke nach, dann betreibe ich im Prinzip schon eine Vorform von Wissenschaft. In der Theologie werden Vermutungen in der Regel nicht überprüft. Wenn ich nur sage „Im Kühlschrank ist Bier!“, bin ich Theologe – wenn ich nachgucke bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachgucke, nichts finde und trotzdem behaupte „es ist Bier drin!“, bin ich Esoteriker.

Ist Alltag vielleicht sogar Wissenschaft?

Genau. Alles was uns umgibt ist Wissenschaft. Die großen gesellschaftspolitischen Themen wie Klimaerwärmung, Atomkraft, Stammzellenforschung drehen sich um Wissenschaft.

Sie haben also einen pädagogischen Hintergedanken?

Ich fühle mich dem aufklärerischen Prinzip verpflichtet. Wissenschaft und Kultur haben große Fortschritte gemacht und trotzdem glauben die Leute an Esoterikkram und behandeln ihre Kinder mit Handauflegen.

Selbstständig denken lohnt sich also?

Auf alle Fälle. Es ist natürlich unangenehm, weil der Mensch dadurch an Sicherheit verliert. Denn wenn man nachdenkt, kommt man irgendwann zum Schluss, dass sich nichts mit hundertprozentiger Sicherheit vorhersagen lässt.

Ihr Regisseur ist Arzt und Kabarettist Dr. Eckhart von Hirschhausen? Brauchen Sie medizinische Betreuung?

(lacht) Er versorgt mich natürlich kostenlos mit Psychopharmaka. Im Ernst – es ist immer gut, jemanden zu haben, der sich fachlich auskennt. Das ist ein fruchtbarer Boden, um meine Ideen auf der Bühne umzusetzen.

Wie kommt ein Physiker auf die Bühne?

(lacht) Ich wollte an die Frauen ran. Während meines Studiums gab es im Semester nur drei Frauen. Sie können sich vorstellen, da war Spaß auf Partys richtig groß geschrieben. Nein, im Ernst. Ich habe gemerkt, dass die Forschung nichts für mich ist. Ich wollte was mit Kommunikation machen. Da bin ich auf der Bühne genau richtig. Und das mit den Frauen läuft bombig!

Wie ist das mit den Klischees? Sind Wissenschaftler erotisch gehemmt?

Das schöne an Klischees ist ja, dass sie teilweise stimmen. Es gibt wirklich Jungs mit Birkenstock-Schlappen und Zahlenschlosskoffer, die auf Partys rumdrucksen und über Reibungskräfte philosophieren. Es gibt natürlich auch coole Physiker. Ich bin da nicht der einzige.

In ihrem Buch „Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie“ findet sich ein Hinweis auf die kleine Feindschaft zwischen Offenbach und Frankfurt. Erzählen Sie doch mal ihren besten Offenbacher-Witz!

Wenn ich ehrlich bin, kenne ich keinen. Aber ich habe früher in Neu-Isenburg gewohnt. Da ist mir mal was Lustiges auf der Zulassungsstelle passiert. Die Dame fragte mich nach meinem Wunschkennzeichen. Und da hab ich gesagt „Ja Frankfurt wär nicht schlecht“. Zum Glück hat sie gelacht und da wusste ich – der Offenbacher hat Humor. Inzwischen wohne ich in Frankfurt und habe ein tolles Kennzeichen. „F-OF“ – sozusagen die doppelte Staatsbürgerschaft.

Wie geht es für Sie weiter?

Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich ein Buch schreibe, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Das schöne an diesem Beruf ist, dass spannende Sachen entstehen, die noch gar nicht absehbar sind. Für Galileo (ProSieben) mache ich ja bereits was, und ich könnte mir vorstellen da noch mehr zu machen. Momentan arbeite ich an einem neuen Programm. Da müssen sich die Fans aber noch gedulden.

Vince Ebert wurde 1968 im bayerischen Odenwald geboren, von 1988 bis 1994 studierte er Physik an der Ludwigs-Maximilian-Universität in Würzburg. Danach arbeitete er bei einer Unternehmensberatung, später in einer Werbeagentur. 1998 unternahm er seine ersten kabarettistischen Gehversuche und ist mittlerweile deutschlandweit auf allen großen Bühnen zu Gast. Sein Gastspiel im Offenbacher Capitol am 21. Januar, beginnt um 20 Uhr. Karten gibt’s an der Abendkasse.

Quelle: op-online.de

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