Immendorff, Kippenberger, Beuys: Ausstellung „The Making of Art“ in Frankfurts Schirn wirft interessante Frage auf, ohne sie zu beantworten

Warum wird ein Künstler berühmt, ein anderer nicht?

Kopfüber: Yury Albert, „I am not Baselitz!“ (1986)

Wie gelingt es einem Künstler, aus der Masse unbekannter Schaffender hervorzustechen und in einer renommierten Kunsthalle wie der Frankfurter Schirn ausgestellt zu werden, während zahlreiche Kollegen qualitativ gleichwertige Werke unmutig in ihren Ateliers stapeln?

Die zentrale Frage nach dem Warum“ – also „Warum wird ein Künstler überhaupt berühmt?“ – wird in der gerade eröffneten Ausstellung „The Making of Art“ in der Kunsthalle am Römerberg leider nicht beleuchtet. „Ein Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebs“ wird versprochen und in 150 Werken von 50 Künstlern auch auf unterschiedlichste Weise geboten. Doch das große Geheimnis, wie der Kunstbetrieb seine Stars produziert, bleibt im Verborgenen – wie beim Zauberer, der niemals offenbaren würde, wie die Taube denn tatsächlich in den Zylinder gekommen ist.

Die Schau lockt mit einer Mischung aus großen Namen und angesagten zeitgenössischen Künstlern: John Baldessari, Chris Burden, Chicks on Speed, Christian Jankowski, Tracey Emin, Dan Fischer, Peter Fischli/David Weiss, Candida Höfer, Jörg Immendorff, Martin Kippenberger, Louise Lawler, Jonathan Monk, Thomas Struth, Jeff Koons, Joseph Beuys. Ausgestellt sind Gemälde, Zeichnungen, Installationen, Fotografien und Videos, die den Künstler, den Schaffensprozess, den Kunstmarkt, die Bedeutung von Ausstellungsräumen sowie die Funktion von Kunsthändlern, Sammlern und interessiertem Publikum fokussieren.

Es geht um einen Zeitraum, der die frühen 1960er Jahre bis zur Gegenwart umfasst. Während sich die 68er-Künstlergeneration auf kämpferische und provokante Weise einmischte, ist die Auseinandersetzung mit dem Kunstmarkt und der Rolle des Künstlers heute eher heiter und ironisch geprägt. Vorbei sind die Zeiten als Piero Manzoni 1961 „Merda d’Artista“ (deutsch: Künstlerkacke), in Portionen à 30 Gramm mit schicker Banderole versehen, in Konservendosen zur Schau stellte.

Heute kommt die Kritik gern als Satire daher – wie bei der gelungenen Videoarbeit Jankowskis, der im fiktiven „Kunstmarkt TV“ Gemälde und Skulpturen mit dem für Shoppingkanäle üblichen Habitus feilbietet.

Aufräumen will die Ausstellung nebenbei mit dem „Mythos des genialen Künstlers“, der einsam in seinem Atelier sitzt und die Welt frei von Abhängigkeiten mit sich konfrontiert. Denn er steht längst nicht mehr in Opposition zur Gesellschaft. „Er ist mitten in ihr angekommen“, glaubt Kuratorin Martina Weinhart – und macht mit Galeristen, Institutionen sowie Kritikern gemeinsame Sache.

Zuweilen geht das sogar so weit, dass die Aktivitäten der Vermarktung mehr Raum im Leben eines Künstlers einnehmen als die Produktion der Werke selbst. Wie es etwa der von William Powhida entworfene Terminkalender zeigt, in dem es vor Interview- und Fototerminen, Party-Einladungen und Treffen mit Sammlern nur so wimmelt.

„Kunst ist ein Produkt des vielschichtigen Systems“, betont Schirn-Chef Max Hollein und räumt ein, dass es für den „Unbedarften ein unüberschaubares System, auch ein fragwürdiges“ sei. Und so soll es unterm Strich wohl auch bleiben. Der Blick hinter die Kulissen ist interessant gestaltet und überaus unterhaltsam, doch weit davon entfernt, wirklich Aufschlussreiches zu bieten. ANKE STEINFADT

„The Making of Art“ bis 30. August in der Kunsthalle Schirn, Frankfurt, Römerberg. Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag bis Sonntag 10 bis 19, Mittwoch und Donnerstag 10 bis 22 Uhr

Quelle: op-online.de

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