Weidmannsheil der Kunst

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Kunst im Kranichsteiner Schlosspark.

Darmstadt - Künstlerinnen unserer Region wie Anjali Göbel und Barbara Beisinghoff aus Dreieich, Waltraud Munz aus Dietzenbach oder Roza Rueb und Gabriele Juvan aus Offenbach prägen derzeit das Bild von Schloss und Park Kranichstein. Von Reinhold Gries

Ein eher stilles Bild, das sich intensiv mit Mythos und Realität der „Jäger und Sammler“ im Jagdschloss befasst.

Göbel entnimmt ihre „Trophäensammlung I-III“ der Natur, sammelt und sortiert Dornen, Stacheln und Mäuseschädel, reiht sie im Hirschgang auf gekreidete Tafeln unter historischen Geweihen. Oder schneidet für die Park-Installation „Sautod“ Weiden und flicht sie zu Schießscharten-Körben, inspiriert von Kranichsteiner Jagdschirmen wie auch Walter von Broekhuizens Polyesterwand mit den Gucklöchern.

„Jäger und Sammler“ bis 2. Oktober in Schlosspark und Jagdschloss Kranichstein, Geöffnet: Mittwoch bis Samstag 13-18 Uhr, Sonntag 10-18 Uhr

Beisinghoff hat einen kupfernen Sternenbogen („Großer Jäger) in den Park gestellt, in filigranem Lochmuster von Tageslicht durchstrahlt. „Waldkünstlerin“ Munz bezaubert mit „Cloud Areas“, montierte Baumpilze aus gefaltetem Alu-Blech mit Geo-Informationen und Zeichensystemen. Im Renaissanceraum begegnet man ihrer Bodenarbeit „Hirschtrüffel“, im verdunkelten Kabinett davor „Magic Areas“ mit von innen farbig leuchtenden Glühpilzen.

Ruebs Videotrickfilm „Der Hirsch ist nicht tot, er springt noch“ sorgt für Unsterblichkeit, während Werner Henkels Parkplastiken „Zeichnen von Schalenwild“ mit roten Einschusskreuzen der Sterblichkeit gewidmet sind.

Surreale Wildwechsel

Kein Idyll ist auch die Marktstand-Installation „Frischer Fisch?“ mit Fischkisten aus Hartschaum. Darin bietet der Offenbacher Biologe Lutz Nevermann Silikonabgüsse von Jesuskindern „on the rocks“ feil, unter Schildern nicht existierender Meerestiere den Kollaps der Meere im Blick. Gesellschaftliche Reputation des Jagens hinterfragen Juvans Schattenriss-„Tischgesellschaft“ im Hirschsaal wie Doro Hülders Warnwesten-Installation „Jagdfieber“. Daneben stürzt sich Susanne Ruoffs Pfeile-Schwarm auf ein imaginäres Ziel.

Regina Franks klatschmohnartige Skulptur „Solarbank“ erblüht einladend mit solargetriebenen Lichtleisten auf dem Grün, Sebastian Stöhrers „Artemis“-Plastik aus Zinkblechen blinkt unweit von Harry van der Wouds schwimmendem „Prometheus“-Gemälde auf dem Backhaus-Teich. In „Collected and protected“ schichtet HfG-Absolventin Elisabeth Frassine spiralig die begehbare Einmachgläser-Installation aus gesammelten und farbig geordneten Naturprodukten.

Surreale Wildwechsel verbreiten Waltraud Freeses „Verkehrschilder“ mit kopfstehendem Hirsch, im Schloss überrascht ihre weibliche „Rindenbüste“. Derweil sitzt die finnische Performerin Helina Hukkataival ruhig am Tisch ihrer „Stone Library“ unter einer Buche und reibt mit 6B-Grafitstift Oberflächen gesammelter Steine auf Papier durch. Die Deutung der Frottagen sowie beim Betrachten entstehender innerer Bilder bleibt jedem selbst überlassen.

Quelle: op-online.de

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