„Die Sklavin ihres Geliebten“ im Heppenheimer Amtshof

Mit Wein und Degen der Heirat entgegen

Lässt sich gut an zwischen „Sklavin“ Elena (Susanne Steidle) und „Geliebtem“ Don Juan (Christopher Krieg).

Dieser Don Juan heißt so und ist auch einer. Unter all den Bräuten, denen er untreu wird, befindet sich sogar die Kirche, zu deren Dienst sein Vater ihn bestimmt hat. Aber seit Don Juan die getaufte Inderin Doña Elena getroffen hat, scheint sein Leben in geordnete Bahnen zu kommen.

Nur: Wie sag’ ich’s meinem Erzeuger? Um die Frage dreht sich Lope de Vegas Klassiker „Die Sklavin ihres Geliebten“, mit dem jetzt die 36. Saison der Festspiele Heppenheim eröffnet worden ist.

Den drei großen Dichtern des Freilichtrepertoires – dem Engländer Shakespeare, dem Franzosen Molière und dem Italiener Goldoni – stellt Regisseur Uwe von Grumbkow diesen ebenbürtigen Spanier (1562-1635) zur Seite. Für die turbulente Mantel-und-Degen-Komödie hat Intendant und Bühnenbildner Thomas Richter eine mediterrane Kulisse gebaut, die Urlaubssehnsucht weckt. Vor dieser wird agiert, dass es eine Lust ist.

Dazu hat die Inszenierung hübsch gegensätzliche Paare herausgearbeitet. Da ist zunächst der Don Juan auf Freiersfüßen – Christopher Krieg mimt ihn mit Schwung und Charme sowie voll komischer Verzweiflung. Wer weiß, ob die Sache ein glückliches Ende nähme, hätte er nicht in Don Enrique einen so einfallsreichen wie tatkräftigen Freund. Den spielt der Publikumsliebling Franz Joseph Dieken körperlich agil und zungenflink, mit übertrieben breitem Hamburgisch, wenn er sich als Seefahrer ausgibt.

Ein tolles Paar bildet Don Juan mit der schönen Elena. Susanne Steidle absolviert ihren ersten Auftritt als falscher Mönch in Ganzkörperkapuze, um hernach in blauer Robe und indischer Tracht zu glänzen (die prächtigen, vielseitigen Kostüme schuf die Offenbacherin Monika Seidl). Die Freude an der Interaktion der beiden verstärkt sich, wenn man weiß, dass sie real miteinander verheiratet sind.

Kontrastfigur im Damendoppel ist Doña Aldonza, Juan zugetan und zugedacht. Sie ist bei Steffi Plattner schöne Zicke in schicken Gewändern und geht nicht leer aus. Ein herrliches Gespann sind die zwei Alten: Juans Vater Don Miguel, von Wolfgang Welter als geschäftiger Glatzkopf verkörpert; und Aldonzas Vater Don Fernando, den Rolf P. Parchwitz leicht senil anlegt. Köstlich, wie die einander in herzlicher Feind-Freundschaft verbundenen Kaufleute sich kabbeln.

Das Duell der Dienerschaft entscheidet Achim Stellwagen als Vasco für sich, der sich als Quasi-Doppelgänger von TV-Kugel Dirk Bach erst widerstrebend, später willig mit Wein („Es ist Stemmler“) abfüllen lässt und mit dem inbrünstigen Lied „Am Guadalquivir“ das musikalische Leitmotiv des Abends anstimmt. Sein Gegenpart Pedro ist Regisseur Grumbkow. Als resolute Amme Finea lässt dessen Gattin Susanne von Grumb kow den affigen Marquis le Coq abblitzen. Dieser dankbaren Rolle gewinnt Andreas Torwesten etliche Lacher ab.

Ein paar Straffungen hätte der Text vertragen. Dafür haben wir nach zweieinhalb Stunden gelernt, wie sich die Inder verabschieden: „Tadsch Mahal!“ MARKUS TERHARN

Im Spielplan bis 6. September im Kurmainzer Amtshof

Quelle: op-online.de

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