Ausstellung über „Goethe und die Pflanzen“

Wo der Himmel voller Blumenbilder hängt: Der Blick in die Galerie des Frankfurter Palmenhauses zeigt eine Fülle von Darstellungen.

Goethe entsprach dem Gelehrtenideal des Universalgenies, des auf allen Gebieten hervorragenden, kenntnisreichen Menschen. Seine bekannteste wissenschaftliche Abhandlung ist die Farbenlehre.  Von Stefan Michalzik

In Schriften zu den Naturwissenschaften, deren moderne Ausgabe neun umfängliche Bände umfasst, befasste er sich mit Zoologie, Geologie, Klimatologie, Mineralogie und Botanik.
Am Eingang zur Ausstellung „Goethe und die Pflanzen“ in der Galerie des Palmenhauses im Frankfurter Palmengarten begegnet der Besucher erstmals der Grünlilie, einer heute weit verbreiteten Zimmerpflanze; am Ende erfährt er, dass Goethe sich von 1827 an eingehend mit ihr beschäftigt hat. So selbstverständlich wie heute waren Pflanzen aus aller Welt damals nicht zugänglich. Die aus Westafrika kommende Grünlilie war in Europa nahezu unbekannt. Der sächsische Großherzog Carl August hatte 1827 bei einer Pflanzenauktion in Leipzig einige Exemplare erworben und Goethe ein Teilstück davon gegeben. Goethe war von der „unglaublichen Prolificität“ beeindruckt, also der Fähigkeit, Nachkommen zu produzieren.

Goethe forschte nach den Ursprüngen des Lebens

Eine ernsthafte Beschäftigung mit Botanik und Gärten begann 1775 mit Goethes Eintritt in den Staatsdienst in Weimar. Als Geheimer Legationsrat wurde er bald zum Mitglied der Regierung des Fürstentums Sachsen-Weimar-Eisenach. Zu seinen Zuständigkeiten zählten Landwirtschaft und Forst. Angeregt durch die Lektüre der kulturphilosophischen Werke Herders forschte Goethe nach den Ursprüngen des Lebens.

Das „unermüdliche Sprossen und Sichverjüngen“ faszinierte ihn. Er legte ein Herbarium an, das 1921 Positionen umfasste. 300 galten Pilzen, Moosen, Faunen und Algen. Wie tief sein Interesse ging, ist darüber hinaus belegt durch eine Beschäftigung mit Schimmelpilzen, Rost- und Brandpilzen sowie Mehltau.

1790 legte Goethe in der Schrift „Die Metamorphose der Pflanze“ seine Theorie zur Morphologie dar. Sie geht von einem den Pflanzen zugrunde liegenden Bauplan aus. Die Morphologie beeinflusste Darwin, sie besitzt bis heute Gültigkeit.

„Ihr anderen habt es gut“

Die von dem am Botanischen Garten der Technischen Universität Darmstadt tätigen Stefan Schneckenburger für das Goethejahr 1999 entwickelte, für die aktuelle Präsentation überarbeitete Ausstellung lässt vor allem Texttafeln sprechen. Das tun diese so seriös wie anschaulich. Exponate sind vornehmlich die Pflanzen, deren einige nach wissenschaftlicher Sitte seiner Verdienste um die Erkundung wegen zeitweilig einen mit Goethe verbundenen Namen trugen. Noch immer gibt es ein Eisenmineral, das Goethit heißt.

Es ist ein für Goethes Wirken keineswegs randständiges, in der heutigen Wahrnehmung indessen weitgehend unterbelichtetes Feld, in das die Ausstellung einen aufschlussreichen Einblick vermittelt. Am Ende seines Lebens sah der Dichter ganz prosaisch den Wald vor lauter Wissenschaft nicht mehr. „Ihr anderen habt es gut“, schrieb er als 81-Jähriger an den befreundeten Kanzler Friedrich von Müller, „ihr geht in den Garten, in den Wald, beschaut harmlos Blumen und Bäume, während ich überall nur an die Metamorphosenlehre erinnert werde und mich mit dieser abquäle.“ 

„Goethe und die Pflanzen“, Galerie des Palmenhauses im Frankfurter Palmengarten, Siesmayerstraße 61. Geöffnet bis 5. September täglich, 9 bis 18 Uhr

Quelle: op-online.de

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