„Die Liebe der Danae“

Weltferne Romantik

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Frankfurter Damen-Riege: Britta Stallmeister, Barbara Zechmeister, Tanja Ariane Baumgartner und Katharina Magiera.

Frankfurt - Als am 20. Juli 1944 das Attentat auf Adolf Hitler misslang, gingen dem Komponisten Richard Strauss ganz andere Fragen durch den Kopf. Zum Beispiel, wie er an Benzin gelangen könne, um vom heimischen Garmisch zu den Salzburger Festspielen zu reisen. Von Axel Zibulski

Darüber sinniert er, allen Ernstes, in einem Brief, den er exakt an jenem historischen Tag an den Dirigenten Clemens Krauss schrieb. Wenige Wochen später, als die geplante Uraufführung seiner vorletzten Oper „Die Liebe der Danae“ wegen des Verbots aller Festspielvorstellungen nicht über die Salzburger Bühne gehen konnte, holten die Kriegstatsachen den Komponisten dann doch ein. Nach der nur halboffiziellen Generalprobe des letzten Kriegssommers kam das Stück erst 1952, also drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, zur Salzburger Uraufführung.

Die Oper Frankfurt stellte nun in einer konzertanten Aufführung jenen höchst weltfernen, in der römischen Antike spielenden Dreiakter um den Gott Jupiter vor, der die liebende Danae an den Rivalen Midas verliert. Eine Besonderheit: Bei den Richard-Strauss-Tagen in Garmisch-Partenkirchen hatte das von Sebastian Weigle geleitete Frankfurter Ensemble bereits wenige Tage zuvor mit der konzertanten Aufführung gastiert, exakt am Geburtstag des Komponisten, der sich am 11. Juni zum 150. Mal jährte. Mit ihrer spätestromantischen, vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester geschärft bis gleißend ausgeleuchteten Tonsprache, mit ihren exorbitant hohen gesanglichen Anforderungen sperrt sich das Stück freilich auch wegen seiner hohen musikalischen Anforderungen gegen jede Repertoiretauglichkeit.

Eine „heitere Mythologie“

Wie gut also, dass die Oper Frankfurt auf der Basis ihres exzellenten Ensembles die „Liebe der Danae“ nun in einer uneingeschränkt geglückten konzertanten Aufführung zur Diskussion stellen konnte. Viel Erfahrung aus Bayreuth brachte seitens der Gäste der Schweizer Alejandro Marco-Buhrmester ein, der die riesige Jupiter-Partie nicht heldisch-outriert, sondern nobel-kontrolliert sang, wissend, auch weise. Obwohl die ganze Götterwelt sich über ihn lustig macht, nachdem er die Königstochter Danae an den armen Eselstreiber Midas verloren hat. Dieser klang bei Lance Ryan heldentenoral scharf strahlend, manchmal fast zu kräftig. Und Danae, die am Ende zu einer versöhnlichen Schlussszene mit Jupiter findet, war von Anne Schwanewilms, trotz Indisposition, bei dunkler Ummantelung der Stimme klar porträtiert.

Eine „heitere Mythologie“ nannte Strauss seine späte Oper, auf deren Sujet ihn bereits sein verstorbener Librettist Hugo von Hofmannsthal aufmerksam gemacht hatte. Der Österreicher Joseph Gregor übernahm die Dichtung des Textes, der auch vier Ex-Geliebte des Jupiter im forschen Quartett aufbietet, Semele und Europa (Britta Stallmeister / Barbara Zechmeister), Alkmene und Leda (Tanja Ariane Baumgartner / Katharina Magiera). Im Leichten perfekt und synchron sangen sie in Frankfurt, locker und wendig klang zudem Tenor Peter Marsh als frecher Götterbote Merkur. Und schließlich vermittelte Beau Gibson als König Pollux treffend einen weiteren Charakter aus der Kulturgeschichte des Kontinents, der zur Entstehungszeit der Oper gerade in Tod und Asche fiel. Was man bei aller vokalen Bravour und äußerlichen Heiterkeit nie vergaß. Ein schwieriges Stück.

Wiederholung am 19. Juni um 19 Uhr in der Oper Frankfurt. Karten: Tel.: 069/21249494.

Quelle: op-online.de

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