Verborgene Sammlungsschätze

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Solche Zeichnungen fertigte Alf Bayrle bei seinen Afrika-Expeditionen.

Frankfurt - Clémentine Deliss, die Leiterin des Weltkulturen-Museums in Frankfurt, lässt sich durch Diskussionen um die Zukunft und Erweiterung ihres Hauses nicht beirren. Im Gegenteil. Von Reinhold Gries

Von ihr angeregte Feldforschungen zur Schau „Objekt Atlas“ erweitert sie durch ständigen Dialog zwischen musealer Präsentation und zeitgenössischen Künstlern, die sich mit vorhandenen und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Beständen kreativ und forschend auseinandersetzen. Das schlägt sich nun in Präsentationen nieder.

Die beginnen mit noch nie ausgestellten Zeichnungen und Fotos, die Alf Bayrle 1934-35 auf Expeditionen der Universität Frankfurt in Libyen und Äthiopien anfertigte. Sie zeigen phallische Steinmegalithe und hölzerne Begräbnispfosten, in einer magischen Welt beheimatet, die heute verloren ist. Der Vater des Städel-Professors Thomas Bayrle offenbart dabei zeichnerische Möglichkeiten, welche – neben präziser Dokumentation – die Darstellungen selbst zu Kunstwerken erheben. Dazu findet man historische Notizen, die auch die Problematik ethnologischer Feldforschung darstellten: „Der Hügel wird langsam entheiligt, umgefallene Steine stehen künstlich aufgerichtet…Bruchstücke werden zusammengesucht und aneinandergesetzt, das Bandmaß mißt, der Spaten gräbt…Rechnender Verstand scheucht die Geister der Toten aus ihrer Ruhe, artfremde Menschen lüften den Schleier über dem wohlbehüteten Geheimnis.“

Museumobjekte werden zu Musterstücken

Kurator Shane Munro, will derartig verlorene Magie wieder zurückholen und reiste dazu mit Inventarkarten des Weltkulturen-Museums nach Marokko. In der Werkstatt „Morocco Magic“ in Salé ließ er nach vorhandenen Vorlagen und Aquarellen des Museums eine ganze Serie von Keramiken produzieren, die eigentlich unwiederbringlich verloren schienen. Man sieht es im „Green Room“ an einer ganzen Reihe farbenfroher Gefäße, aufgestellt aus Glas- und Messingbeistelltischen aus den 60ern, wie wertvoll solch „ethnographische Restaurierungen“ sind. Zerstörte Artefakte feiern eine wundervolle Wiederauferstehung, denn die Objekte werden – neben ihren „Verlustanzeigen“ - wieder fester Teil der Sammlung.

Im Museums-Labor gegenüber werkeln derweil progressive Modemacher an von ihnen ausgesuchten Objekten aus dem weitgehend verborgenen Museumsschatz. Dort studieren sie die alte Ideenwelt der Dekore genauso wie deren Form und Farbe, um sich zu neuen Schöpfungen inspirieren zu lassen. Museumobjekte werden zu Musterstücken, um neues Design zu schaffen. Derzeit kann man den Londoner Designern von „CassettePlaya“ zusehen, kürzlich vom Rolling Stone Magazine zum „Best Fashion Designer“ nominiert. Andere Modemacher folgen in vier-wöchigem Turnus, darunter Buki Abib aus Nigeria, „Perks and Mini“ aus Australien und die Gruppe „A Kind auf Guise“ aus Deutschland.

„Objekt Atlas/Neuhängung Alf Bayrle“ ist bis 16. September zu sehen, Öffnungszeiten: Di bis So 11 - 18 Uhr, Mi 11 - 20 Uhr; „Morocco Magic“ ist bis 15. Juli im Green Room, Haus 37, zu sehen, Öffnungszeiten: Do bis So 12 - 18 Uhr und nach Vereinbarung

Quelle: op-online.de

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