Wenn die Mutter mit der Tochter redet

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Tochter Josefa (Malin Kipke) und Mutter MAT (Claudia König) sind nicht immer einer Meinung.

Es scheint eine verkehrte Welt. „Wie läuft’s denn im Bett?“, will die Mutter von der Tochter wissen. Die steht kurz vor der Hochzeit, da wird die Mama doch mal fragen dürfen, ob der Angetraute „ein gutes Büberl“ hat. Überrascht muss sie die Antwort zur Kenntnis nehmen, dass die Braut noch „rein“ sei ... Von Markus Terharn

Keusche Tochter, lebenserfahrene Mutter: Es ist ein ungleiches Duo, das Paula Fünfeck in ihrem Zwei-Personen-Stück „Pfaffenschnitzel“ entwirft. Im t-raum erlebt es seine Offenbach-Premiere. Dramaturgie und Inszenierung dieser Eigenproduktion teilen sich die Betreiber des Zimmertheaters, Frank Geisler und Sarah C. Baumann. Für die anspruchsvollen Rollen haben sie zwei glänzende Gastschauspielerinnen engagiert.

Dem Namen nach sind die Figuren historisch: Maria Anna Thekla Mozart, der Kürze halber MAT gerufen und der Nachwelt als Empfängerin der schweinischen „Bäsle-Briefe“ ihres komponierenden Cousins Wolfgang bekannt; und ihre uneheliche Tochter, Josefa genannt. Der Haltung nach sind sie ganz heutig, ihr Mutter-Tochter-Konflikt ist ein zeitloser. Oft kippt die Sprache von der Diktion des späten 18. in den Umgangston des frühen 21. Jahrhunderts.

Weitere Vorstellungen: 26./27. November, 4. Dezember sowie ab Februar 2011

Die Spannungen werden nicht geringer, als Josefa endlich erfährt, wer ihr Vater ist. Und die Sache gewinnt beträchtlich an Reiz, indem beide Frauen in wechselnde Rollen schlüpfen: Verführerischer Domherr, wortverspielter Mozart und dessen brutaler Vater bekommen Gestalt, in teils drastischer Körperlichkeit auf die Bühne gebracht, zum Anfassen nah.

Gelungen ist die Besetzung. Claudia König gibt Mutter MAT die Härte und Bitterkeit, die das Leben als Alleinerziehende zumal in ihrer Zeit mit sich bringt – kann aber wunderbar liebevoll, weich und zärtlich sein. Malin Kipke ist als Tochter Josefa mal bockig, mal verletzt, aber immer wieder versöhnungsbereit.

Virtuos spielen beide einander den „Ball“, einen symbolträchtigen Apfel, zu. Fortlaufender Tausch der Kostüme (Elfie Haas) unterstreicht den rollenspielhaften Charakter. Den musikalischen Aspekt besorgt Ela Rosenberger auf der Flöte.

Das Ergebnis ist ein Stück von einer Frau über und mit zwei Frauen, aber kein Frauenstück. Auch Männer lernen viel – über das eigene und das andere, ihnen oft so rätselhafte Geschlecht. Und das auf sehr unterhaltsame Weise!

Quelle: op-online.de

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