Wenn Ostwestfalen romantisch werden

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„Ja, hallo erstmal...“ Rüdiger Hoffmann begrüßt Offenbach.

Um einen Saal zum Johlen zu bringen, reicht Rüdiger Hoffmann ein Satz – gefolgt von einer langen Denkpause: „Ja, hallo erstmal...“ Ein Einstieg, der den Paderborner vor Jahren in die Spitzengruppe deutscher Komiker katapultierte und zu seinem Markenzeichen wurde. Von Maren Cornils

In Offenbach, wo Hoffmann am Samstag und Sonntag im Capitol sein neues Programm vorstellte, ist das nicht anders.

Auch wenn der Kabarettist „so ’nen Quatsch eigentlich nicht mehr macht“. Macht er natürlich doch. Dem rockigen Gesangsintro, von Hoffmann live gesungen, folgen die bekannten drei Wörter, und umgehend setzt das bestellte Kreischkonzert – „irgendwas zwischen Orgasmus und Einnässen“ – ein.

Doch Hoffmann ist nicht mehr der alte. Für „Sex oder Liebe“ hat sich der bedächtige Westfale, der seine Sätze einst genüsslich im Schneckentempo formulierte, in einen coolen Rockstar mit Elvis-Hüftschwung und Starattitüden verwandelt. Und entsprechend dem neuen Image gleich konsequent „mundgepressten Zwerglimettensaft“ für seine Garderobe geordert. Mit dem Zertrümmern des Backstage-Bereichs allerdings hat der Neu-Rocker noch seine Probleme: „Ich wollte eigentlich den Fernseher nehmen und aus dem Fenster werfen – und dann gab es gar keinen. Nicht einmal ein Fenster. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie armselig es ist, einen Plastikgartenstuhl zu verwüsten“,klagt Hoffmann sein Leid. Gut, dass es wenigstens auf anderen Gebieten besser klappt. „Ich habe jetzt schon mehr Frauen als Boy George, Elton John und George Michael zusammen.“

Hoffmann gibt nicht nur den harten Macker. Er hat echte „Hammerballaden“ wie das ironisch-despektierliche „Verlieb dich bitte nicht in mich“ im Gepäck. Und beweist, dass er nicht nur als Sänger, sondern auch als Pianist eine gute Figur abgibt. Ganz ernst nehmen sollte das Publikum seine Texte freilich nicht. Was versteht ein Paderborner unter Romantik? „Wenn man dort romantisches Licht haben möchte, stellt man sich unter eine rote Ampel!“ Ist es unromantisch, am Valentinstag seine Steuererklärung zu machen? Und wie macht man Frauen schwach? In „Sex oder Liebe“ gibt Hoffmann den Frauenversteher, der seine Liebste auch mal ganz romantisch auf einen Venedig-Trip entführt, um dann – typisch westfälisch, also „finanziell zurückhaltend“ – eine Übernachtung in der Jugendherberge zu buchen.

Wertvolle Tipps für die Geschlechtsgenossen, böse Seitenhiebe auf den Papst und Bushs Kondom-Kampagne („Wenn HIV-Viren sprechen könnten, würden sie sich bei Benedikt und George W. bedanken“), nicht immer jugendfreie Gags und immer wieder Songs, von Hoffmann live gesungen und am Klavier gespielt: Das Ergebnis ist eine poppig bunte und erstaunlich unterhaltsame Mischung aus Comedy und Musikkabarett. Die, wie könnte es anders sein, natürlich nicht ohne Hoffmanns andere Standardsätze – „Das kann man machen, muss man aber nicht“ und „Ich weiß nicht, ob Sie’s wussten“ – auskommt; die zugleich aber beweist, dass es da einer nicht nötig hat, dauernd alte Kamellen aufzuwärmen, um einen Saal voll zu bekommen.

Quelle: op-online.de

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