Zum 20. Geburtstag gab’s Geschenke: Die Sammlung des Frankfurter MMK wächst

Wertvolle Glückwünsche

Der Fotograf und ehemalige Städel-Professor Wolfgang Tillmans hat Impressionen seiner Weltreise zu einer „Frankfurter Installation“ gefügt.

Frankfurt - Die Sammlung des Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) wächst – und das ganz ohne eigenen Etat für Ankäufe. Von Carsten Müller

Möglich wird dies durch „treue Partner, Förderer und Künstler, die uns helfen, Schwerpunkte zu erweitern und die Sammlung zu verdichten“, wie MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer sagt. Schenkungen von Sammlern wie Karl Ströher und Rolf Ricke setzen wichtige Wegmarken in der jungen Geschichte des Museums, das sich zum 20. Geburtstag über erlesene Geschenke freuen kann.

„Sehr lange gewünscht“ hat sich Gaensheimer beispielsweise die für das MMK geschaffene Rauminstallation von Wolfgang Tillmans, einem Künstler, der aus der dokumentarischen Fotografie kommt, die lange nicht als museumsreif galt. Einfache Tesafilm-Streifen halten die 42 ungerahmten Formate an der Wand des eigens für die „Frankfurter Installation“ (2011) ausgewählten Raums im dritten Obergeschoss, Überwiegend auf einer einjährigen Weltreise entstanden, sind die 42 Fotografien Belege für den politischen Blickwinkel des Künstlers, der an der Städelschule lehrte. Den Ankauf ermöglichte die Frankfurter Ernst Max von Grunelius-Stiftung.

Tillmanns wiederum hat in seiner Londoner Galerie „Between the Bridges“ einer Künstlerin zu neuem Ruhm verholfen, die als vergessen galt. Charlotte Posenenske (1930-1985) zählte mit ihren Baukästen aus Blech und Wellpappe Ende der sechziger Jahre zur Avantgarde. Das MMK verfügt dank der Schenkung der mehrteiligen Vierkantrohr-Objekte durch Posenenskes Lebensgefährten und Nachlassverwalter Burkhard Brunn über eine der größten Werkgruppen dieser regional verwurzelten und international unter anderem von der Tate Gallery und der documenta gewürdigten Künstlerin.

Eng befreundet war die Offenbacherin mit dem Frankfurter Peter Roehr (1944-1968). Gemeinsam zog man durch Frankfurts Kaufhäuser, um Material für Roehrs serielle Arbeiten zu sammeln, einem radikalen Pop-Artisten, dem Andy Warhol als zu romantisch galt. Roehrs Nachlass mit Filmen, Fotos und Korrespondenz wurde ebenso vom Berliner Galeristen und Sammler Peter Maenz gestiftet wie Mathieu Merciers Neonröhren-Installation „Horloge de Fluos“ (2001).

Reiche Bezüge zur MMK-Sammlung, ohne bisher darin vertreten zu sein, hat die Bildhauerin Isa Genzken. Nicht nur gehört sie zur Nachkriegsgeneration, deren ambivalentes Verhältnis zu US-Kunst und -Konsumwelt Einfluss auf ihre Arbeiten genommen hat, Die „Schlüsselfigur“ Genzken habe auch viele junge Künstler beeinflusst, deren Werke bereits im Besitz des MMK sind. Die Rauminstallation „Oil“ (2007) war auf der 52. Biennale in Venedig zu sehen und soll angekauft werden – im Internet gibt es dazu ein Spendenportal.

Der „bedeutende visionäre Sammler Rolf Ricke“, so Gaensheimer, zählt zu den wichtigsten Unterstützern des Museums. Das von ihm überlassene Großformat des radikalen US-Minimalisten Lewis Stein, der persönlich die Jubiläumsausstellung besuchte, ergänzt zwei bereits vorhandene Werke. „Ich werde das Museum weiter im Herzen tragen“, kündigte der ehemalige Kölner Galerist an. Die Familie Blume stiftetet Fotografien von Bernhard Johannes Blume aus den späten sechziger Jahren, die MMK-Freunde Gerwin Janke und Adrian Koerfer eine Installation des niederländischen Künstlerpaars Erwin Driessens und Maria Verstappen, „Morphoteque #8“ (1994).

Schließlich haben sich auch Künstler als Schenker verewigt. Der belgische Mode-Avantgardist Walter Van Beirendonck überließ dem Museum eine Videoarbeit mit dem Titel „Paradise Pleasure Productions“. Der Film dokumentiert eine Modenschau, die Mitte der neunziger Jahre in radikaler Art das Thema Aids und HIV auf den Laufsteg brachte, Walter de Maria, der dank des Galeristen, Sammlers und MMK-Initiators Karl Ströher erst in Hessen, dann in seiner Heimat USA bekannt wurde und dessen „Vertical Kilometre“ 1977 bei der Kasseler documenta für Aufregung sorgte, hat den „High Energy Bar No. 116“ (1966) gestiftet. Der Vierkantstab aus hochglanzpoliertem Edelstahl ist nun gleichermaßen Kompassnadel wie Dreh- und Angelpunkt der MMK-Präsentation.

Quelle: op-online.de

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