Wesen von anderem Planeten

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Meine Güte, war ich besoffen! Das wäre ein möglicher Gedanke für eine Frau, die eine Flasche Wodka auf den eigenen Geburtstag geleert hat und im Wald eingeschlafen ist.

Offenbach - Meine Güte, war ich besoffen! Das wäre ein möglicher Gedanke für eine Frau, die eine Flasche Wodka auf den eigenen Geburtstag geleert hat und im Wald eingeschlafen ist. Von Markus Terharn

Jedenfalls wenn sie neben einer Dame mit merkwürdigem Kopfputz und zerschlissenem Kleid aufwacht, die beim Sprechen eigenartige Nebengeräusche macht und behauptet, von einem anderen Stern zu sein. In die Welt einer Außerirdischen entführt Birgit Schöns fantastisches Theaterstück „Der grüne Pelikan“, aktuelle Eigenproduktion im Offenbacher „t-raum“. Als klinische Psychiaterin ist Dr. Elsa Martinelli einiges gewohnt. Aber diese Patientin, die keine sein will, stellt die Wissenschaftlerin vor eine neue Herausforderung: Ist sie wirklich mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit vom Heimatgestirn Zorgam zur Erde gereist, diesem Planeten der Kategorie „Frühe Stufe der Evolution, Zukunft ungewiss“? Ist sie nach irdischer Rechnung 224 Jahre alt? Oder leidet sie nur am Jetlag?

Weitere Aufführungen im Juni

Die Erschütterung gewohnter Denkmuster ist radikal. In dem Maß, wie die Fassade der betont rationalen Ärztin bröckelt, macht sich bei den Zuschauern Verunsicherung breit. Das ist ein Ergebnis von Schöns poetischer Sprache – und ihrer Verkörperung der extraterrestrischen Anah in Sonja Kraushofers behutsamer Regie. Ihren Gegenpart Elsa lässt Andrea Herdt in zunehmende Verstörung abgleiten. Auf der Minibühne, mal Wildnis, mal Wohnzimmer, wird gern mit Helligkeit und Dunkelheit gearbeitet. Dazwischen ertönt die Geige von Michael Brembs. Für das Publikum gibt es viel zu lachen und noch mehr zu grübeln.

Quelle: op-online.de

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