Guston-Werke in der Schirn Kunsthalle

Rauchende Köpfe, behaarte Beine

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Philip Gustons „Painter’s Head“ aus dem Jahr 1975.

Frankfurt - Ein Bruch mit der Abstraktion: Die Schirn Kunsthalle zeigt das Spätwerk des amerikanischen Malers Philip Guston. Seine Bilder wirken grotesk und gleichzeitig vertraut. Von Christian Riethmüller

Er war einer der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus in den USA, doch dann malte Philip Guston plötzlich derbe Figuren und Figurenfragmente. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt das Spätwerk des bedeutenden amerikanischen Künstlers Philip Guston.

Rauchende und trinkende Köpfe, behaarte Beine, dazu Mauern, Türen, Glühbirnen - die Motive auf den in Pink, Rot, Schwarz und Blau gehaltenen Leinwänden wirken grotesk und gleichzeitig vertraut. Sie lassen an alte Comics und frühe Trickfilme denken und sorgten doch im Jahr 1970 in New York für einen Kunstskandal. Der Maler dieser simpel angelegten Werke war nämlich einer der Hohepriester des Abstrakten Expressionismus, jener explizit amerikanischen Kunstrichtung, die seit den 1950er Jahren große Bedeutung erlangt hatte und deren prominenteste Vertreter Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko und eben Philip Guston waren, der nun plötzlich aber mit dem Reinheitsgebot der Abstraktion brach und Figuren malte. Dieser „Verrat“ wurde Guston von vielen Kritikern verübelt, weshalb die Bedeutung dieses malerisch ausgezeichneten Spätwerks erst kurz vor Gustons Tod im Jahr 1980 anerkannt wurde. Heute weiß man um den großen Einfluss von Gustons in seinem letzten Lebensjahrzehnt geschaffenen Arbeiten auf die darauffolgende Malergeneration.

Die Bedeutung dieses rund 650 großformatige Gemälde und Hunderte von Zeichnungen umfassenen Spätwerks lässt sich nun anhand einer schönen Auswahl in der Schirn Kunsthalle Frankfurt überprüfen. Dort sind 70 Gemälde und Zeichnungen Gustons ausgestellt, die den vor hundert Jahren am 27. Juni 1913 in Montreal als Philip Goldstein geborenen Künstler als gewitzten Verknüpfer von Renaissance und Populärkultur zeigen - etwa im berühmten Bild „The Line“, das eine aus dem Himmel zur Erde deutende Hand zum Motiv hat und damit direkt an die Symbolsprache der von Guston verehrten italienischen Renaissance-Maler anknüpft.

Die Schau „ Philip Guston. Das große Spätwerk“ ist bis 2. Februar in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Fr - So 10 bis 19 Uhr, Mi, Do 10 bis 22 Uhr.

Weitere Informationen auf der Homepage der Schirn Kunsthalle.

Quelle: op-online.de

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