Wiedergeburt antiker Welt

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Die pompejirot gehaltenen Wände bringen das Weiß antiker Marmorskulpturen besser zur Geltung.

Zum Jubiläum „100 Jahre Liebieghaus“ ist die Frankfurter Villa Heinrich von Liebiegs noch schöner geworden. Die 1907 bis 1909 von Georg Swarzenski aufgebaute Sammlung alter Skulpturen hat in der Regie des Leiters Max Holleins und des Architekten Kuehn Malvezzi ihre Vollendung gefunden. Von Reinhold Gries

Neue Raumideen, Farb- und Lichtkonzepte machen die in Europa einzigartige Sammlung, fast 5000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte spiegelnd, beispielhaft attraktiv.

Die weißen Marmorskulpturen der neu inszenierten Antikensammlung profitieren vom Kontrast zu pompejiroten, mittelmeerblauen und frühlingsgrünen Wänden. Taufrisch der Diskuswerfer des Naukydes in der Rotunde, römische Wiederholung einer griechischen Statue des späten 5. Jahrhunderts. Die vor 100 Jahren von Bürgern gestiftete Athena des Myron (450 vor Christus) steht in der beeindruckenden Götter- und Heldenwelt.

Unter Bertel Thorwaldsens antikisierendem Marmorrelief von 1832 findet sich der Marsyas-Sarkopharg aus dem 2. Jahrhundert, den Mythos um Athena, Satyr Marsyas und Apoll wie einen olympischen Thriller ins Bild setzend. Vom Athena-Saal gehen Gänge ab mit herrlichen Palmyra-Bildnissen aus Syrien, marmornen Porträtköpfen römischer Herrscher und Patrizierfrauen. Überm Bronze-Adonis des römischen Syriens thronen korinthische Kapitelle, darunter winden sich Torsi der „Tyrannenmördergruppe“.

Festwochenende „100 Jahre Liebieghaus“: 25./26. April. Nacht der Museen: 19 bis 2 Uhr.

Sonstige Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch/Donnerstag 10 bis 21 Uhr

Von einzigartigen Grabreliefs geht es zur griechischen Antike mit den Musen von Agnano. Der Monumentalkopf des Bartträgers aus Zypern (500 vor Christus) zeigt archaisches Lächeln, derweil figurierte kleinasiatische Pferdetrensen keltischen Charme verbreiten. Spektakulär ist die Neupräsentation ägyptischer Schätze: bemalte Särge der Amun-Priesterin Takaj und der Sängerin Hat-en-heb, türkisfarbene Skarabäen, eleganter Osiris-Kopf und mit Hieroglyphen beschrifteter Wesir-Würfelhocker.

Gegenüber Reliefs aus dem Totentempel des Pharaos Sahure schauen Granitfiguren in die Ewigkeit: die löwenköpfige Göttin Sachmet (1375 vor Christus) und Alexander der Große als spätantike Pharao-Ganzfigur. Noch älter ist die sumerische Beterfigur (2500 vor Christus). Oft ist kaum zu erkennen, was neu ist, wie der Marmorkopf der Octavia und Johann Heinrich Danneckers klassizistische Ariadne auf dem Panther, und was neu wirkt.

An der Bibliothek mit wundervollen Vasenmalereien vorbei geht es ins Kellergeschoss. Dort versammelt ein Schaudepot Werke aus verschiedenen Kulturkreisen – eine Schatzkammer, von der vieles nie ausgestellt war. Der „Blick ins Verborgene“ zeigt neben Modellen zur Technik von Bronzeguss und Blattvergoldung Großartiges aus dem Mittelalter: Löwenkopf-Wasserspeier, süddeutsche Himmelsköniginnen, Schnitzaltäre, filigrane Reliefs zu Adam und Eva, ergreifende Kreuzigungen, fliegende, stehende und leuchtende Engel. Grandios, was da am Jubiläumswochenende mit Führungen und Aktionen eröffnet wird!

Quelle: op-online.de

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