Wiedergeburt im Körper von Klaus Kinski

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Publikum in der „Käs“ Frankfurt wähnt sich fast schon selbst als Augenzeuge der Wiedergeburt Jesu im Körper von Klaus Kinski.

Frankfurt - Wild und farbenfroh fabulieren, das kann er, und so beginnt der Einstieg in Reiner Kröhnerts neues Programm „Das Jesus-Comeback“ denn auch mit einem fünfminütigen Monolog, in dem der Kabarettist eindringlich eine Szene an der Golden Gate Bridge beschwört. Von Maren Cornils

Das tut er mit derart wohlklingenden Worten, dass sich das Publikum in der „Käs“ Frankfurt fast schon selbst als Augenzeuge der Wiedergeburt Jesu im Körper von Klaus Kinski wähnt. Reiner Kröhnert ist für seine unvermittelten Programmeinstiege berühmt und hat in puncto aberwitzige Geschichten einen Ruf zu verlieren. Und dem wird er – sehr zum Vergnügen seiner Zuschauer – auch diesmal gerecht. Denn was mit dem Auftauchen einer kleinen Robbe an der San Francisco Bay beginnt, wächst sich zu einer kunstvoll verschachtelten und hoch amüsanten Suche nach dem Erlöser aus, der mal in Gestalt des irrsinnig drein stierenden Kinski, mal als schwäbelnder Bundesfinanzminister, als senil erscheinendes Kirchenoberhaupt oder als missionierender Michel Friedman erscheint.

Eine ganz besondere Rolle kommt bei dieser Heilsbringersuche der CDU zu, die – verkörpert durch Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Peter Hintze und Ronald Pofalla – von Kröhnert alias Wolfgang Herzog ordentlich auf „Erlöserkurs“ gebracht wird. Zwischendurch darf ein mit dem hessischen Dialekt kämpfender „Nobbi“ Blüm als „Sozialprophet“ über seine Rentenprognose philosophieren. Schon vor der Pause wird Jesus zum Ehrenvorsitzenden der CDU gekürt; und auch danach ist an Gags und intellektuell klingenden Worthülsen kein Mangel. Wer auf niveauvolle, mit Liebe zum (Fremd-)Wort komponierte Pointen und paradoxe Geschichten steht, wird vom Meister der Imitation mit einem herrlich unterhaltsamen Abend belohnt.

Quelle: op-online.de

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