Ich will keine Schokolade

Hat frau einen Mann, besitzt sie Grund zur Klage – hat sie keinen, kann sie einen Kurs besuchen. Da lernt sie, ihre Bedürfnisse klar zu benennen und ihre Gefühle frisch von der Leber weg zu singen. Das ist die Idee von Dietmar Loefflers amüsantem Liederabend „Männerbeschaffungsmaßnahmen“. Von Markus Terharn

Der Liederabend wurde 2006 am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt und ist jetzt in einer Inszenierung der Hamburger Kammerspiele zu Gast bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain. Um es gleich zu sagen: Dieser Workshop muss als voller Erfolg gelten.
Das ist zunächst ein Verdienst der burschikosen Seminarleiterin Christiane. Susanne Pollmeier, im grauen Hosenanzug, hat die Floskelsprache der Psychotante und Motivationstrainerin bestens drauf. Gesanglich sorgt sie dafür, dass es Männer regnet und dass die Mädels richtig aus sich rausgehen.

Da bedarf es nur eines kleinen Anstoßes – und im Quartett fliegen Fetzen. Als Reibungspunkt erweist sich die raue Scheidungsanwältin Angela, von Rocksängerin Ulla Meinecke streng in Nadelstreifen gegeben, mit voluminöser Stimme zur Zarah-Leander-Interpretation befähigt und mit dem Hang zu knochentrockenen Kommentaren ausgestattet.

Ohne die Figur der Lächerlichkeit preiszugeben

Herrlich trefflich ihre Sticheleien gegen die naive Pharmareferentin Sabine, deren komisch verzweifelter Ausruf „Ich bin schon wieder verlassen worden“ eine Zuschauerin spontan aufgreift: „Glaub ich!“ Meike Kircher steuert indes auch zwei der stärksten Lieder bei und beweist bei einer Mikropanne improvisatorisches Geschick.

Wahre Urgewalt hat, wie das gruftige Girlie Laura unvermutet den Flügel bespringt und umwerfendes Temperament zeigt: „Ich will keine Schokolade!“ Jasmin Wagner, die als Blümchen Popkarriere gemacht hat und heute viel Theater spielt, ist sängerisch klasse, darstellerisch vielleicht die Schwächste.

Dagegen meistert Tommaso Cacciapuoti den schwersten Part, gibt die geschmacklos gekleidete Flugbegleiterin Chantal als Transe, ohne die Figur der Lächerlichkeit preiszugeben. Mit Loeffler, der als Pianist den Takt vorgibt und auch Regie geführt hat, bringt er die tiefen Töne in eine Revue, die von Paul Simon über Falco bis Rosenstolz reicht: Toll!

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Gabi Schoenemann, Pixelio

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