Bayerns Oral-Apostel hat gesprochen

Frankfurt - Robert Gernhardt hätte seine Freude gehabt: Kaum hat Willy Astor die Bühne betreten, da hagelte es auch schon den für ihn typischen Wortwitz. Von Maren Cornils

Nicht unbedingt zur Freude aller Zuschauer, denn ins Kreuzfeuer des scharfzüngigen Bayern gerieten zunächst einmal all jene, die es nicht pünktlich auf ihre Plätze geschafft und somit das Vergnügen hatten, sich ihren Weg begleitet von einem spöttischen, „Ich weiß ja nicht: Ward’s ihr schon oamal aus?“, im hell erleuchteten Saal suchen zu müssen.

Nachdem auch dieses Problem gelöst war, konnte es jedoch losgehen mit „Nachlachende Frohstoffe“, dem neuen Programm des selbst ernannten „Oral-Apostels“ aus dem Süden der Republik. Nachdem der Künstler seinem Publikum zur Begrüßung einen „Wellkamm“ präsentiert hatte, nahm er sich erst einmal ausgiebig Zeit für einen Gang durchs Publikum und zeichnete sich dabei durch hartnäckiges Nachhaken aus. Nach gut zehn Minuten war dieser Spuk sehr zur Erleichterung des Publikums in den ersten Reihen beendet, und Astor stimmte mit „Es ist noch Platz in meinem Herzen“ den ersten Song an.

Kleine, feine Wortspiele

Bei Astor muss man genau hinhören, will man die Pointen nicht verpassen. Da wird Verdi zur „Dienstleistungsgesellschaft Pferdi“, zeigt Astor mit „Meine Taube Joachim“, dass er mühelos jeden Poetry Slam gewinnen würde und erweist sich mit dem Gedicht „Kugelschreibär“ als würdiger Nachfolger des großen Dichters und Satirikers Robert Gernhardt. Willy Astor versteht sich auf kleine und feine Wortspiele, lässt sein Publikum mit seinem makaberen Guantanamo-Gedicht aber auch zusammenzucken, wenn er dichtet, „Im Graben vor mir steht ein Mädchen, rata rata, ratadadada…“

Bestes Wortkabarett mit einem vor verrückten Ideen schier überbordenden Entertainer, der sich erfreulicherweise auch spontan auf gute Gags versteht. Dass dabei auch das Publikum einstecken muss und die Hessen in der diesem Bundesland gewidmeten Hymne ihr Fett weg bekommen, mag manchem sauer aufstoßen, doch wer ins Kabarett geht, von dem darf man schließlich auch mal erwarten, dass er über sich selbst lacht.

Quelle: op-online.de

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