Wirren der Liebe

Offenbach (zik) - Christoph Martin Wielands Briefroman „Menander und Glycerion“ kündet vom Aufbranden und Vergehen einer Liebe. Menander, Komödiendichter in Athen, verliebt sich in die auf einem Gemälde abgebildete Blumenbinderin Glycerion, die er zu einer Verkörperung der weiblichen Tugenden idealisiert, lernt sie kennen, seine Liebe wird erwidert.

Dem Taumel folgen die Wirren auf dem Fuß: Menander verfällt in Eifersucht und Raserei, weil Glycerion seinem Erzrivalen, den vom Publikum bevorzugten Philomenon, in ihrem Haus empfangen hat. Glycerion ist entrüstet ob der Unterstellung einer Verfehlung und verlangt von Menander, er möge seinem Feind die Hand reichen; der sieht sich außerstande dazu, mit der Liebe ist’s vorbei. Was bleibt ist Freundschaft – und ein Zugewinn an Erfahrung.

Wieland zählte zu den Vordenkern einer literarischen Moderne in Deutschland. Auch das Liebesverständnis, das unter dem Motto „Weit weg und doch nah bei Dir...“ zum Gegenstand einer literarisch-musikalischen Matinee in der noch jungen Reihe „und sonntags ins Palais!“ im Foyer des Offenbacher Büsingpalais gemachten Romans ist ein modernes. In der eine Freiheit begründenden Bereitschaft zum Wechsel und im weiblichen Selbstbewusstsein werden Errungenschaften vorweggenommen, die sich erst im 20. Jahrhundert weitgehend durchsetzen sollten.

Der entspannte erzählerische Ton, den Schauspieler Michael Kaiser für den männlichen Teil eingenommen hat, ist plausibel. Sigrid Schütrumpf als weiblicher Widerpart indes hat es mit ihrer Akkuratesse und einem bemüht anmutenden Engagement zu weit getrieben – und dergestalt wenig erreicht.

Der Musik ist ein glückhaftes Gelingen zu bescheinigen. Die Violinistin Yumiko Noda und der Pianist Olaf Joksch setzen in den Sonatensätzen von Mozart auf einen Grundton melodiöser Schlichtheit, den sie mit einer sinnlichen Klangformung zu verbinden vermögen. Harmonie und Zweifel, Euphorie und Resignation: Als Abhandlung über die Liebe lässt sich auch die Musik lesen.

Quelle: op-online.de

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