Wohin nur mit Rudis Leiche?

„Zu früh verstorben“, übliche Floskel in Todesanzeigen, trifft auf Rudi zu. Hat er doch die von der Gattin vergiftete Wildschweinpastete in Gelee auf einmal verputzt und ist nicht erst im Thailandurlaub, sondern gleich in der Küche verschieden. Von Markus Terharn

Für Rita beginnt „Mein Rudi-freies Leben“ also eher als geplant. Lesern von Bele Hornungs gleichnamigem Romandebüt, erschienen im Hanauer CoCon-Verlag, beschert dies einen vergnüglichen Einstieg, den sich die Autorin bei der Buchpremiere in der bestens besuchten Offenbacher Heyne-Kunstfabrik nicht entgehen lässt. In Offenbach nimmt die Handlung ihren Lauf. Dort hat Hornung, die in Frankfurt wohnt, als Architektin gearbeitet. Wie gut sie diese Stadt kennt, merkt das Publikum an der Ironisierung von Bausparerträumen auf der Rosenhöhe als ein „Sammelsurium spießiger Scheußlichkeiten“.

Humor zählt zu Hornungs Trümpfen. Die „dummerweise entstandene Entsorgungsproblematik“ erinnert an Alfred Hitchcocks Wohin-mit-der-Leiche-Film „Immer Ärger mit Harry“, die genüsslich gepflegte Männerfeindlichkeit der Heldin an die Krimis von Altmeisterin Ingrid Noll.

Dazu passt Hornungs Vortrag. Stark bei Stimme, gibt sie den Charakteren durch individuellen Tonfall Konturen, bis hin zum „Tock, tock“ der Gehhilfe von Schwiegermutter Ada. Dem locker-flapsigen Stil entspricht ihre burschikose Art. Ihr zuzuhören ist unterhaltsam und weckt Erwartungen an die Lektüre.

Die Dramaturgie trägt dazu bei. Obwohl es ihre erste Lesung ist, macht Hornung alles richtig. Liest etwa eine Stunde, erstes und zweites Kapitel sowie Teile des vierten. Sieht Rita den Leichnam im Elbtal verstecken. Und endet, wenn es am spannendsten ist – mit dem Ausruf „Rudi ist tot!“, gefolgt vom Kommentar der Erzählerin: „Ich erstarre.“

Quelle: op-online.de

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