Wortkabarett zündet spät, aber gewaltig

Kann man zehn Gags in einem einzigen Satz unterbringen? Willy Astor kann – und beherrscht obendrein die Kunst, seine lässig hingeworfenen Wortspielchen so zu arrangieren, dass ein Großteil der Witze erst einige Sekunden später zündet, wenn sie im Denkzentrum ihre volle Wirkung entfalten.

Einfach nur so dahin gesagt ist bei Astor gar nichts. Da macht „Reimgold“, mit dem der bayerische Comedian im Capitol Offenbach gastierte, keine Ausnahme. Im Gegenteil. Kein Satz, der sich nicht als kunstvolle Wortverdreherei entpuppte, möge das Thema auf den ersten Blick auch noch so wenig tauglich sein. Da mampft Gottes Sohn einen „Jesusburger“, verrät Benedikt im Handytelefonat – „Papa mobil“ – dass er in seiner Freizeit unter die Künstler gegangen ist – „Manchmal, da winschi mir a bissi mehr Zeit, so dass ich mehr am Abendmahl“ – oder gibt Boris Becker in seiner „Defloralienhandlung“ wichtige Tipps zur Blumenpflege.

Doch Astor versteht sich nicht nur auf raffinierte Wortspiele, er kann auch singen und ist dabei nicht minder unterhaltsam. Ob Polit-Song in bester Biermann- oder Degenhardt-Manier, bayerische Polka oder Mozart-Rap – Astor beherrscht die musikalische Klaviatur und mixt munter Rock mit Gitarrenmusik, Hip Hop mit Klassik und Blues mit Marschmusik. „He Manager Ge-halt, mach Dich vom Acker-mann“, singt Astor da lässig und liefert Sekunden später mit der Liedzeile „in der Bonuspension Zumwinkel“ gleich den nächsten Lacher ab.

Mehr als zwei Stunden lang reiht er unermüdlich Gag an Gag, singt, reimt und dichtet, was das Zeug hält, ohne dabei auch nur einmal den Faden zu verlieren. Trotz mancher Kalauer klingt das nie banal. Ein Juwel in der Kabarettlandschaft!(mco)

Quelle: op-online.de

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